Kindeswohlgefährdungen bleiben auch 2021 auf hohem Niveau

27. Oktober 2022

Die Zahl der Kindeswohlgefährdungen ist – nach ihrem Höchststand im ersten Corona-Jahr 2020 – im zweiten Jahr der Pandemie leicht gesunken: 2021 haben die Jugendämter in Deutschland bei über 59 900 Kindern und Jugendlichen eine Kindeswohlgefährdung durch Vernachlässigung, psychische, körperliche oder sexuelle Gewalt festgestellt. Das waren rund 600 Fälle oder 1 % weniger als im Vorjahr.

Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) weiter mitteilt, sind die Fälle, bei denen die Behörden nach Prüfung des Verdachts zwar keine Kindeswohlgefährdung, aber einen Hilfebedarf festgestellt haben, gleichzeitig um knapp 2 % gestiegen (+ 1 100 Fälle): 2021 meldeten die Jugendämter fast 67 700 Fälle von Hilfebedarf. Im zweiten Corona-Jahr haben die Kindeswohlgefährdungen damit den zweithöchsten Wert seit Einführung der Statistik im Jahr 2012 und die Fälle von Hilfebedarf einen neuen Höchststand erreicht.

Die meisten Hinweise kamen von Polizei und Justiz, die zuverlässigsten von den Kindern

Die meisten der rund 197 800 Gefährdungseinschätzungen wurden im Jahr 2021 von Polizei oder Justizbehörden angeregt (28 %). Etwas seltener kamen die Hinweise auf eine mögliche Kindeswohlgefährdung aus der Bevölkerung -also von Verwandten, Bekannten, Nachbarn oder anonym (25 %). Danach folgten Einrichtungen und Dienste der Kinder- und Jugendhilfe, Erziehungshilfe u. a. (13 %). Jeweils etwa ein Zehntel der Hinweise auf die Gefährdungssituation gaben die Schulen (10 %) und die Familien selbst, also die betroffenen Minderjährigen (2 %) oder deren Eltern (7 %).

In 30 % aller Meldungen haben die Behörden den Verdacht auf Kindeswohlgefährdung später bestätigt. In etwa einem Drittel (34 %) der Fälle stellten die Behörden zwar keine Gefährdung, aber Hilfebedarf fest und in etwa einem weiteren Drittel der Fälle (35 %) erwies sich der Verdacht nach Prüfung durch die Fachkräfte als unbegründet. Besonders zuverlässige Hinweisgeber waren hierbei offenbar die betroffenen Minderjährigen selbst: Bei 61 % der Selbstmeldungen von Kindern oder Jugendlichen haben die Jugendämter 2021 den Verdacht auf Kindeswohlgefährdung anschließend bestätigt. Auch die Meldungen aus der Kinder- und Jugendhilfe, Erziehungshilfe u. a. (50 %) und aus dem Gesundheitswesen (37 %) erwiesen sich besonders oft als zutreffend.

Im ersten Corona-Jahr 2020 war aufgefallen, dass die Meldungen von Schulen -erstmals in der Statistik und entgegen dem allgemeinen Trend -um 1,5 % zurückgegangen waren (‑300 Fälle). Die neuen Daten zeigen nun für das zweite Jahr der Pandemie wieder eine Zunahme der Verdachtsmeldungen von Schulen, und zwar um 5 % (+ 1 000 Fälle). Allerdings liegt dieser Anstieg (wie die allgemeine Entwicklung auch) deutlich unter denen der letzten beiden Vorkrisenjahre: Im Jahr 2018 hatten die Verdachtsmeldungen von Schulen um 15 % (+2 100 Fälle) und 2019 um 17 % zugenommen (+2 800 Fälle).

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