Lexikon

A
Abbruch des Pflegeverhältnisses

Immer wieder kommt es vor, dass ein Pflegeverhältnis vorzeitig aufgelöst werden muss.

Hierfür kann es vielfältige Gründe geben:
· Zwischen den Pflegepersonen und dem Kind haben sich Konflikte und Beziehungsstörungen derart manifestiert, dass ein weiteres Zusammenleben nicht mehr möglich ist.
· Der betreuerische, pflegerische oder erzieherische Bedarf des Kindes übersteigt die Möglichkeiten der Pflegepersonen.
· Die Rahmenbedingungen des Pflegeverhältnisses (z.B. Einflussnahme durch die Herkunftsfamilie oder auch Jugendamt) beeinträchtigen das familiäre Leben in einem Rahmen, der nicht mehr tragbar ist.
· Notwendige Hilfen und Unterstützung werden nicht gewährt, die Pflegefamilie fühlt sich allein gelassen.
· Andere in der Pflegefamilie lebende Personen (in erster Linie andere Kinder) werden durch das Pflegeverhältnis über Gebühr belastet.

Das Kind wechselt dann aus der Pflegefamilie in einen anderen Hilferahmen (andere Pflegefamilie, professionelle Pflegefamilie, Heimeinrichtung o.ä.).

Für die Pflegeeltern und das Kind bedeutet dies – trotz aller Probleme – eine einschneidende und schmerzhafte Trennungserfahrung.

Pflegeeltern müssen erfahren, dass sie trotz allen Bemühens (und oft auch trotz vielfältiger und professionell begleiteter Konfliktlösungsversuche) an ihre Grenzen geraten und haben das Gefühl zu versagen. In der Regel liegen die Gründe für das Scheitern eines Pflegeverhältnisses aber nicht in ihrer Person oder ihrer grundsätzlichen Befähigung als Pflegeperson. Vielmehr ist der Abbruch eines Pflegeverhältnisses häufig ein Ausdruck dafür,
· dass die Form der Unterbringung in einer Pflegefamilie nicht die richtige war (z.B. weil das Kind nicht (mehr) familienfähig ist oder
· dass die Bedürfnisse des Kindes und die damit verbundenen Anforderungen an die Pflegefamilie fasch eingeschätzt wurden oder aufgrund unzureichender Informationen zum Zeitpunkt der Unterbringung nicht einschätzbar waren.
Häufig verstärken sich auch die Problematiken der Kinder mit zunehmendem Alter und entwickeln sich zu einer erheblichen Belastung für alle Familienmitglieder.

Es ist wichtig, dass es Pflegepersonen gelingt, sich von Versagens- oder Schuldgefühlen zu befreien. Sie müssen trauern und die Trennungssituation bewältigen können ohne sich oder das Kind mit Vorwürfen zu belasten. Hierbei benötigen sie eine einfühlsame Begleitung – auch über die Beendigung des Pflegverhältnisses hinaus.

Auch die Kinder müssen im Falle eines Pflegeabbruchs intensiv begleitet werden. Für sie ist der Übergang in eine neue Lebenssituation nur schwer konstruktiv zu bewältigen. Auch wenn sie äußerlich scheinbar ungerührt oder erleichtert erscheinen und während des Pflegeverhältnisses kaum tiefere Bindungen an die Pflegeperson(en) erkennbar wurden, werden in der Regel Gefühle wie Trauer, Angst oder Aufregung aufkommen.

Beim Abbruch eines Pflegeverhältnisses müssen daher die Anliegen und Bedürfnisse des Kindes maßgeblich für die weitere Perspektiventwicklung sein. Es muss sorgsam abgewogen werden, welche Hilfeform folgen soll und wie diese so vorbereitet und umgesetzt werden kann, dass sie für das Kind eine Chance bedeutet und von ihm auch so erlebt werden kann.

Auch nach dem Abbruch eines Pflegeverhältnisses kann es dem Kindeswohl entsprechen, dass der Kontakt nicht gänzlich abbricht und die Pflegfamilie das Kind weiter begleitet. In diesen Fällen haben Pflegepersonen ein Umgangsrecht gem. § 1685 BGB .

ADHS

Die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) gehört zur Gruppe der Verhaltens- und emotionalen Störungen mit Beginn in der Kindheit und Jugend. Sie äußert sich durch Probleme mit Aufmerksamkeit, Impulsivität und Selbstregulation; manchmal kommt zusätzlich starke körperliche Unruhe (Hyperaktivität) hinzu.Diesen Symptomen liegt nach heutigem Stand eine neurobiologische Entwicklungsverzögerung der exekutiven Funktionen zugrunde. ADHS kann dabei auch als ein Extremverhalten aufgefasst werden, das einen fließenden Übergang zur Normalität zeigt. Die Auffälligkeiten müssen für das Alter sehr stark ausgeprägt und in den meisten Situationen beständig seit der Kindheit vorhanden sein. Symptome alleine haben jedoch keinen Krankheitswert: Eine Diagnose ist nur möglich, wenn die Symptomatik zusätzlich mehrere Lebensbereiche deutlich beeinträchtigt oder zu erkennbarem Leiden führt

Alltagsentscheidungen

Grundsätzlich sind Entscheidungen, die ein minderjähriges Kind betreffen, von den sorgeberechtigten Eltern bzw., wenn ihnen das Sorgerecht ganz oder teilweise entzogen wurde, von einem Vormund bzw. Pfleger zu treffen.

Lebt ein Kind in einer Pflegefamilie, müssen jedoch die Pflegeeltern bestimmte Entscheidungsbefugnisse haben, damit sie überhaupt handlungsfähig sind.

Gem. § 1688 BGB Abs. 1 sind Pflegepersonen, die ein Kind für längere Zeit in Familienpflege aufnehmen, daher „berechtigt, in Angelegenheiten des täglichen Lebens zu entscheiden sowie den Inhaber der elterlichen Sorge in solchen Angelegenheiten zu vertreten (…)“.

Hiermit gibt der Gesetzgeber Pflegepersonen das Recht, in alltäglichen Dingen zu entscheiden. Solche Alltagsentscheidungen sind u.a.:

  • routinemäßige Arztbesuche
  • die Wahrnehmung alltäglicher schulischer Belange: Gespräche mit Lehrern, Teilnahme an Konferenzen, Zeugnisunterschrift, Entscheidung über die Teilnahme an Arbeitsgemeinschaften, Klassenfahrten o.ä., Teilnahme an Klassenpflegschaftssitzungen und Übernahme eines Amtes
  • Urlaube (Ausnahme: in Krisengebiete o.ä.)
  • Besuche des Kindes bei Freunden oder Verwandten er Pflegefamilie
  • Einkäufe für das Kind
  • Anmeldungen in Vereinen

Für Entscheidungen grundsätzlicher Art (Grundentscheidungen) trägt der Sorgeberechtigte/ Vormund die Verantwortung. Sie sind von ihm vorzunehmen. Dies sind u.a.:

  • Anmeldung zu Kindergarten und Schule
  • Einwilligung zu Lehrverträge
  • Einwilligung in Operationen (außer unaufschiebbare Eingriffe)
  • Impfentscheidungen
  • Bestimmung des ständigen Aufenthaltes des Kindes (Wohnort)

Die Grundentscheidungen sollen nicht willkürlich getroffen werden, sondern werden im Rahmen der Hilfeplanung besprochen. Sie müssen dem Kindeswohl entsprechen. Wollen die sorgeberechtigten Eltern Entscheidungen treffen, die dem Kindeswohl nicht entsprechen und ist keine Einigung möglich, kann das Jugendamt das Familiengericht beteiligen und beantragen, dass von dort eine dem Kindeswohl entsprechende Entscheidung ergeht bzw. dass das Sorgerecht (teilweise) entzogen wird (§ 1688 BGB Abs. 3).

In Fragen der religiösen Erziehung sind die leiblichen Eltern immer zu beteiligen, unabhängig davon, ob sie sorgeberechtigt sind oder nicht.

Anbahnung

Wenn ein Kind vor der Vermittlung in eine Dauerpflegefamilie in einem Heim oder einer Bereitschaftspflege lebt, wird in der Regel eine Anbahnung erfolgen. Sie soll den potentiellen Pflegeeltern und dem Kind ermöglichen, sich vor dem Umzug kennen zu lernen, sich behutsam aneinander anzunähern und Entscheidungssicherheit zu bekommen. Eine erfolgreiche Anbahnung erspart dem Kind einen (weiteren) abrupten Verlust von seinen derzeitigen Bezugspersonen und seinem momentanen Lebensmittelpunkt und ermöglicht ihm einen sanften Übergang in die neue Lebenssituation.

Was passiert in der Anbahnung?

Die potentiellen Pflegeeltern erhalten zunächst Informationen, die für die Vermittlung von Interesse sind: biographische Daten, Gründe für die Notwendigkeit der Unterbringung in einer Dauerpflegefamilie, Informationen über Erkrankungen, Behinderungen, Auffälligkeiten und therapeutischen Bedarf, rechtliche Situation (z.B. Sorgerechtsentzug), Perspektive (vermutliche Dauer, gerichtlich geklärt oder nicht u.a.) und Rahmenbedingung (Besuchskontakte, Einstellung der leiblichen Eltern zur Unterbringung des Kindes usw.).

Potentielle Pflegeeltern sollten sich nicht scheuen, in dieser Phase viele Fragen zu stellen, um einen möglichst umfassenden ersten Eindruck nicht nur von dem Kind, sondern auch den Umständen des Pflegeverhältnisses und möglichen Schwierigkeiten zu bekommen. Nur so können sie verantwortungsvoll entscheiden, ob sie sich die Aufnahme des vorgeschlagenen Kindes vorstellen können.

Wenn dies der Fall ist, erfolgen die ersten Treffen. Die potentiellen Pflegeeltern lernen das Kind in seiner momentanen Umgebung kennen. Beide bekommen voneinander einen Eindruck und können entscheiden, ob „es“ passen könnte.

Häufig erfolgt in dieser Phase auch ein Treffen zwischen leiblichen Eltern und potentiellen Pflegeeltern. Dieser erste Kontakt ist wichtig. Er ermöglicht eine erste Einschätzung, ob die Beteiligten sich eine Zusammenarbeit im Interesse des Kindes vorstellen können.

Wenn sich sowohl die potentiellen Pflegeeltern als auch das Kind (sofern es sich dazu äußern kann), die leiblichen Eltern und die beteiligten Fachkräfte eine Vermittlung weiterhin vorstellen können, werden die Kontakte zwischen der potentiellen Pflegefamilie und dem Pflegekind schrittweise ausgebaut: In der Regel besuchen zunächst die künftigen Pflegeeltern das Kind in seinem vertrauten Umfeld. Ist ein erster gegenseitiger Kontakt aufgebaut, besucht das Kind – evtl. zunächst in Begleitung seiner momentanen Bezugsperson – die künftigen Pflegeeltern. Die Besuch werden schrittweise ausgeweitet. Sie finden üblicherweise zunächst stundenweise, dann tageweise, dann mit Übernachtung und bei älteren Kindern evtl. auch mehrtägig statt.

Von den derzeitigen Bezugspersonen sollten sich die künftigen Pflegeeltern so viel wie möglich zum Kind berichten lassen. Welche Vorlieben und Abneigungen hat es, welche Rituale kennt es? Wie schätzen die Bezugspersonen das Kind ein? Wie gehen sie mit kritischen Situationen um? Die Bezugspersonen haben häufig eine längere Zeit mit dem Kind zusammen gelebt und können daher hilfreiche Anregungen geben. Zudem wird dem Kind der Übergang in die neue Familie erleichtert, wenn es bestimmte Konstanten (z.B. bekannte Rituale) gibt.

Wie lange dauert die Anbahnungsphase?

Es gibt keine klaren zeitlichen Vorgaben für die Dauer der Anbahnung. Sie kann wenige Tage dauern oder mehrere Monate und ist abhängig vom Alter des Kindes, der Dauer der Unterbringung in der jetzigen Stelle, der Qualität der Bindungen, die es dort eingegangen ist und von seiner Bereitschaft, sich auf die neue Situation einzulassen.

Wer hat in der Anbahnungsphase das Sagen?

In der Anbahnungsphase sollten die derzeitigen Bezugspersonen, die künftigen Pflegeeltern und die beteiligten Fachkräfte vertrauensvoll und einfühlsam zusammen arbeiten.

Häufig überlassen die beteiligten Fachkräfte die konkrete Ausgestaltung der Anbahnung den derzeitigen Bezugspersonen und den künftigen Pflegeeltern weitestgehend selbstständig. Sie sind aber immer ansprechbar und sollten die Anbahnung professionell unterstützen und bei der Entwicklung klarer Absprachen helfen.

Manchmal möchte die Pflegefamilie „ihr“ Kind möglichst schnell zu sich holen und hat das Gefühl, ausgebremst zu werden. Hier sollten die potentiellen Pflegeeltern bedenken, dass eine behutsame Anbahnung das spätere Zusammenleben wesentlich erleichtern kann. Sie sollten die Einschätzung der derzeitigen Bezugspersonen zur Gestaltung der Anbahnungsphase ernst nehmen, sie kennen das Kind momentan am besten.

Es ist wichtig, dass sich alle Beteiligten regelmäßig über den Verlauf der Anbahnungsphase austauschen. Wenn dies erfolgt, werden sie gemeinsam den richtigen Zeitpunkt für die Übersiedlung erkennen.

Kann die Anbahnungsphase abgebrochen werden?

Die Anbahnungsphase soll nicht nur dem Kind zu einem möglichst sanften Übergang verhelfen, sie soll auch den künftigen Pflegeeltern die größtmögliche Gewissheit geben, dass sie dieses Kind tatsächlich dauerhaft bei sich aufnehmen möchten.

Zweifel kommen in der Anbahnungsphase häufig auf und sollten mit der zuständigen Fachkraft besprochen werden. Oft entspringen sie eher einer „Angst vor der eigene Courage“ und lassen sich schnell ausräumen. Manchmal haben sie aber auch tiefergehende Gründe (die Pflegefamilie befürchtet, mit der Aufnahme dieses Kindes überfordert zu sein, sie findet keinen Bezug zu dem Kind o.ä.). Dann kann und sollte die Anbahnung abgebrochen werden. Weder Mitleid mit dem Kind noch die Angst, nie mehr ein Kind vorgeschlagen zu bekommen oder eine lange Wartezeit bis zu dem erfolgten Kindervorschlag, sollten dazu führen, eine Anbahnung gegen die eigene innere Überzeugung fortzuführen. Der Abbruch einer Anbahnung ist keine „persönliche Bankrotterklärung“, sondern vielmehr ein Zeichen von großem Verantwortungsbewusstsein und wird von den Jugendämtern in der Regel auch genau so gesehen!

Antrag auf Verbleib

Wann kann ein Antrag auf Verbleib („Verbleibensantrag“) gestellt werden?

Wird von Seiten des Jugendamtes oder der leiblichen Eltern erwogen, ein Pflegekind aus der Pflegefamilie herauszunehmen und zu den leiblichen Eltern zurückzuführen und sehen die Pflegeeltern hierin eine Gefährdung des Kindeswohls, können die Pflegeeltern gem. § 1632 Abs. 4 BGB einen Antrag auf Verbleib stellen.

Für eine anzunehmende Gefährdung des Kindeswohls ist es nicht zwangsläufig notwendig, dass die leiblichen Eltern (weiterhin) erziehungsunfähig sind oder dem Kind von dort tatsächlich eine konkrete Gefährdung droht. Sie kann vielmehr auch dann bestehen, wenn das Kind in der Pflegefamilie verwurzelt ist und von daher durch die Herausnahme aus der Pflegefamilie, die seine Bezugswelt darstellt, ein erheblicher Schaden für das Kind zu erwarten ist.

Ist geplant, ein Kind kurzfristig aus der Pflegefamilie herauszunehmen und erklärt sich der Inhaber des Aufenthaltsbestimmungsrechtes nicht dazu bereit, das Kind bis zur Entscheidung über einen Antrag auf Verbleib in der Pflegefamilie zu belassen, kann der Antrag auf Verbleib verbunden werden mit dem Antrag auf Erlass einer einstweiligen Verfügung.
Hiermit soll die Möglichkeit geschaffen werden, über die erforderliche Zeit für eine Entscheidung im Hauptverfahren zu verfügen, ohne dass durch einen Umzug des Kindes zuvor Fakten geschaffen werden, die dem Kindeswohl möglicherweise entgegen laufen.

Wo ist der Antrag auf Verbleib zu stellen?

Zuständiges Gericht für die Antragsstellung ist das Amtsgericht am Wohnort. Eine Anwaltspflicht besteht nicht. Ob Pflegeeltern sich zutrauen, ein solches Verfahren alleine zu führen, müssen sie selber entscheiden. Sofern ein Anwalt beauftragt wird empfiehlt es sich aber, einen auf das Pflegekinderwesen spezialisierten Fachanwalt zu wählen.

Beschwerdeinstanz ist das Oberlandesgericht (OLG). In Familiengerichtsangelegenheiten herrscht dort – im Gegensatz zu allen anderen Rechtsangelegenheiten – ebenfalls keine Anwaltspflicht.

Sofern Pflegeeltern einen Anwalt beauftragen, haben sie dessen Kosten in der Regel selber zu tragen, da sie von den Rechtsschutzversicherungen nicht übernommen werden. Pflegeeltern sollten aber versuchen, die Kosten vom Jugendamt erstattet zu bekommen, da sie nicht in ihrem eigenen Interesse sondern in dem des Kindes gehandelt haben.

Gerichtskosten, Gutachterkosten oder andere Auslagen sind Pflegeeltern nicht aufzuerlegen.

Was passiert im Verbleibensverfahren?

Das Gericht ist gehalten, anhand verschiedener Faktoren individuell zu prüfen, ob eine Herausnahme aus der Pflegefamilie – evtl. mit begleitenden Hilfen – im Interesse des Kindes vertretbar ist oder ob hiermit eine Kindeswohlgefährdung einher geht.

Eine gesetzlich verankerte Frist, innerhalb welcher Zeit ein Kind zu seinen leiblichen Eltern zurückgeführt werden kann und ab wann eine Herausnahme aus der Pflegefamilie nicht mehr möglich ist, gibt es nicht.
Es gibt jedoch Empfehlungen (vgl. Schwab und Zenz: Gutachten zum 54. Deutschen Juristentag), die – orientiert am kindlichen Zeitbegriff – davon ausgehen, dass
– Kinder, die bei der Unterbringung noch keine drei Jahre alt waren nach maximal zwölf Monaten und
– Kinder, die zum Zeitpunkt der Unterbringung zwischen drei und sechs Jahren alt waren, nach maximal 24 Monaten
derart fest in ihrer Pflegefamilie verwurzelt sind, dass eine Trennung nicht mehr vertretbar erscheint. Diese Empfehlungen sind nicht rechtlich bindend.

Das Gericht hat sich im Verbleibensverfahren mit folgenden Fragen zu befassen:
– Wie alt war das Kind bei der Inpflegegabe und wie lange lebt es in der Pflegefamilie?
– Welche Gründe gab es für die Herausnahme des Kindes?
– Wie häufig gab es Umgangskontakte zu den leiblichen Eltern und wie sind diese verlaufen?
– Welche Bindungen bestehen zwischen dem Kind und den leiblichen Eltern?
– Welche Bindungen ist das Kind in der Pflegefamilie eingegangen?

Da es hierbei weniger um rechtliche, sondern überwiegend um psychologische Aspekte geht, wird in der Regel ein kinderpsychologisches Gutachten erstellt. Hierbei ist es wichtig, dass der beauftragte Sachverständige über Kenntnisse im Bereich der Bindungstheorie verfügt.

In dem Gutachten ist zu überprüfen
– ob eine Herausnahme des Kindes aus der Pflegefamilie überhaupt vertretbar ist oder ob das Kind in der Pflegefamilie so tiefe und stabile Bindungen eingegangen ist, dass bereits durch die Trennung von den Pflegeeltern schwere und nachhaltige Schäden, die eine Kindeswohlgefährdung bedeuten, zu erwarten sind und
– ob im Falle einer Rückkehr zu den leiblichen Eltern diese über eine überdurchschnittliche Erziehungskompetenz verfügen, die sie befähigt, das Kind einfühlsam zu begleiten, um so zu erwartende Folgen der Trennung von den bisherigen Bezugspersonen so gering wie möglich zu halten.

Konkret bedeutet dies, dass für den Fall, dass durch eine Herausnahme aus der Pflegefamilie schwere Schäden für das Kind zu erwarten sind, der Verbleib anzuordnen ist – auch, wenn die Eltern (wieder) erziehungsfähig sind (und letztlich sogar auch, wenn sich herausstellen würde, dass die Eltern immer erziehungsfähig waren und eine Herausnahme gar nicht nötig gewesen wäre). Das Kindeswohl ist dann höher anzusiedeln als die Interessen der leiblichen Eltern.

Damit auch das Kind im Verbleibensverfahren einen Vertreter hat, hat das Gericht gem. § 158 FamFG einen Verfahrenspfleger für das Kind zu bestellen. Er soll als „Anwalt des Kindes“ Sprachrohr des Kindes sein, dessen Interessen angemessen berücksichtigen und vertreten.

B
Begleiteter Umgang

Begleiteter Umgang von Pflegekindern kann im Rahmen der Hilfeplanung vereinbart oder durch das Gericht angeordnet (§ 1684 Abs. 4 BGB) werden.

Er kommt zum Beispiel dann in Betracht, wenn

  • zum Schutz des Kindes eine Beaufsichtigung erforderlich ist,
  • die leiblichen Eltern Unterstützung im Umgang mit dem Kind benötigen,
  • die Bezugspersonen des Kindes (z. B. Pflegeeltern und leibliche Eltern) in starker Konkurrenz zueinander stehen oder „nichts miteinander zu tun haben wollen“,
  • leibliche Eltern die Unterbringung des Kindes nicht akzeptieren können und durch ihr Handeln oder ihre Aussagen das Pflegeverhältnis „torpedieren“ und das Kind verunsichern ,
  • nach langer Kontaktpause wieder Kontakte angebahnt werden sollen,
  • eine problembeladene Beziehung zwischen dem Kind und der Umgangsperson besteht, die mit Loyalitätskonflikten des Kindes einher geht oder
  • Pflegeeltern nicht bereit sind, den Umgang des Kindes zu seinen Eltern aktiv zu unterstützen und es ihrerseits in Loyalitätskonflikte bringen.

Begleiteter Umgang kann übergangsweise (z.B. zu Beginn des Pflegeverhältnisses) oder langfristig stattfinden. Ob eine übergangsweise oder eine langfristige Umgangsbegleitung erforderlich ist, ist abhängig von den Gründen, die die Begleitung erforderlich machten und der Entwicklung, die sich aus dem begleitenden Prozess ergeben können.

Wie umfangreich die Begleitung ist, ist unterschiedlich. Es ist denkbar, dass lediglich eine neutrale Person anwesend ist, die beobachtet oder dass mit den Bezugspersonen des Kindes darüber hinaus gearbeitet wird, um sie zu befähigen zukünftig unbegleiteten Umgang wahrnehmen zu können.

Gelingt es trotz begleiteten Umgangs nicht, einen für das Kind ausreichend sicheren Rahmen zu schaffen, sollte der begleitende und beratende Prozess beendet und eine Aussetzung des Umgangs vereinbart/ bei Gericht beantragt werden.

Die Umgangsbegleitung kann durch das Jugendamt selber erfolgen. Es können aber auch ein freier Träger, eine Kinderschutzorganisation oder eine geeignete Person (z.B. eine Psychologin oder Sozialarbeiterin) damit beauftragt werden.

Beistand

Wenn Menschen sich im Umgang mit Ämtern und Behörden unsicher fühlen oder sich in schwierigen Situationen befinden, in denen sie sich mit Ämtern und Behörden auseinandersetzen müssen, haben sie gem. § 13 SGB X die Möglichkeit, zu Terminen bei Ämtern und Behörden eine Person ihres Vertrauens, einen Beistand, mitzunehmen, der ihnen zur Seite steht oder einen Bevollmächtigen die Verhandlungen für sich führen zu lassen.

Pflegeeltern können im Pflegeverhältnis an einen Punkt kommen, an dem sie Gespräche mit dem Jugendamt nicht mehr alleine wahrnehmen möchten. Wenn sich im Rahmen der Hilfeplanungen unterschiedliche Ansichten ergeben, wenn sich Pflegeeltern von Fachkräften nicht (ausreichend) unterstützt oder von der Herkunftsfamilie angegriffen fühlen, kann es hilfreich sein, eine Vertrauensperson an der Seite zu wissen.

Jede Person kann Beistand sein: eine Freundin, der Nachbar, eine Fachkraft… Wer als Beistand mitgenommen wird, sollte davon abhängig gemacht werden, weswegen er als notwendig empfunden wird. Werden z.B. moralische Unterstützung oder ein Gesprächszeuge benötigt, könnte eine befreundete Pflegemutter Beistand sein. Geht es um konträre fachliche Ansichten oder fühlen sich die Pflegeeltern durch ihre Fachkraft nicht ausreichend unterstützt, bietet es sich an, eine fachlich versierte Person als Beistand zu wählen, z.B. ein Mitglied eines Verbandes. Viele Pflegeelternverbände bilden Mitglieder für die Aufgabe als Beistand aus.

Beistände können eine Pflegefamilie gut unterstützen, sie sind aber keine „Handlanger“ der Pflegefamilie. Geht es rein um moralische Unterstützung und nicht um inhaltliche Auseinandersetzung, kann die Beistandschaft ein Freundschaftsdienst sein. Wird jedoch durch den Beistandes auch fachliche Unterstützung erwartet (oder vertritt der Beistand eine Organisation, z.B. einen Pflegeelternverband) wird er vorab mit den Pflegeeltern besprechen, welche Erwartungen an ihn gerichtet werden, welche Positionen er vertreten soll und ob diese aus seiner Sicht angemessen sind. Ist dies nicht der Fall wird er versuchen, mit der Pflegefamilie eine auch für ihn tragbare Lösung zu entwickeln oder die Beistandschaft ablehnen.

Die Aufgabe des Beistandes ist es nicht, bestehende Konflikte unmittelbar zu lösen.
Dies ist und bleibt Aufgabe der Beteiligten des Pflegeverhältnisses.
Der Beistand kann aber gemeinsam mit den Pflegeeltern das Gespräch vorbereiten, er kann emotional unbeteiligt Problemstellungen von mehreren Seiten beleuchten und Sichtweisen und Argumente der Pflegeeltern diskutieren und gewichten. Er kann Lösungswege vorschlagen. Dies kann bereits im Vorfeld eines Gespräches für Entlastung sorgen und Sicherheit oder sogar neue Sichtweisen schaffen.
Während des Gespräches kann der (in der Regel emotional unbeteiligte) Beistand auch dann noch dem Gespräch ruhig und aufmerksam folgen, wenn die Pflegeeltern emotional aufgewühlt und dadurch unaufmerksamer sind. Er kann das Gespräch dadurch mit den Pflegeeltern nachbereiten. Der Beistand kann auch – wenn das Gespräch gemeinsam mit den Pflegeeltern vorbereitet wurde und der Beistand weiß, worum es ihnen geht – die für die Pflegeeltern wesentlichen Punkte ansprechen, wenn diese sie aufgrund ihrer emotionalen Belastung vergessen oder nicht klar genug ausdrücken können.

Gerade, wenn es Schwierigkeiten in der Kommunikation zwischen Jugendamt und Pflegeeltern gibt, kann auch für die Fachkräfte die Anwesenheit eines Beistandes positiv sein. Dies kann zur Versachlichung des Gespräches beitragen.

Das Vorhaben, einen Beistand zu einem Gespräch mit zu bringen, muss nicht angekündigt werden. Es kann allerdings durchaus sinnvoll und ein Zeichen von Fairness sein, den Wunsch vorab dem Jugendamt mitzuteilen. Möglicherweise ergibt sich bereits aus der Ankündigung eine neue Gesprächsmöglichkeit.

Bereitschaftspflege

Bereitschaftspflegefamilien nehmen Kinder in akuten Krisensituationen bei sich auf – häufig innerhalb kürzester Zeit – immer in besonders belasteten Situationen und in der Regel ohne etwas über die Vorgeschichte und die Besonderheiten des Kindes zu wissen.

Die Unterbringung in einer Bereitschaftspflegefamilie ist immer zeitlich befristet.
Während der Zeit der Unterbringung des Kindes in der Bereitschaftspflege soll dessen Perspektive geklärt und vorbereitet werden (Rückkehr zu den leiblichen Eltern, Vermittlung in eine Dauerpflege- oder Adoptivfamilie, Heimunterbringung).

Die Aufgaben von Bereitschaftspflegefamilien sind vielfältig:
Sie nehmen Kinder mit unterschiedlichsten Lebensgeschichten und Beeinträchtigungen für einen nicht bekannten Zeitraum vorbehaltlos bei sich auf und versorgen sie.
Sie beobachten die Kinder diagnostisch, dokumentieren ihre Beobachtungen nachvollziehbar und tragen damit dazu bei, den weiteren erzieherischen Bedarf des Kindes zu ermitteln.
Sie arbeiten mit den leiblichen Eltern zusammen.
Sie arbeiten mit dem Jugendamt zusammen.
Sie arbeiten mit Ärzten, Therapeuten, Lehrern usw. zusammen.
Sie nehmen oft vielfältige Termine wahr (z.B. Besuchskontakte, Arzt-, Diagnose- und Therapietermine, Hilfeplangespräche).
Sie geben dem Kind Zuwendung, Sicherheit und Geborgenheit und sind gleichzeitig bereit, es nach erfolgter Perspektivklärung bei der Ablösung zu unterstützen und zu begleiten.
Sie unterstützen die Rückführung des Kindes in seine Herkunftsfamilie bzw. die Anbahnung zu künftigen Pflege- oder Adoptivfamilien.

Die Bereitschaftspflege soll einen Zeitraum von einigen Monaten nicht überschreiten, damit das Kind keine tiefen Beziehungen in der Bereitschaftspflegefamilie eingeht. Häufig ist jedoch in diesem Zeitraum eine Perspektivplanung nicht möglich, wenn z.B.
– den leiblichen Eltern Auflagen gemacht wurden, die vor einer Rückkehr des Kindes in ihren Haushalt zu erfüllen sind,
– Gutachten zur Erziehungsfähigkeit der Eltern erstellt werden,
– familiengerichtliche Entscheidungen (z.B. zum Sorgerechtsentzug) anhängig sind,
– der Ausgang von Strafverfahren gegen die leiblichen Eltern abgewartet werden soll oder
– für die Ermittlung des weiteren erzieherischen Bedarfs des Kindes eine langwierige Diagnostik erforderlich ist.

Bereitschaftspflegefamilien vereinbaren mit ihrem Jugendamt, wieviele Bereitschaftsplätze sie zur Verfügung stellen und Kinder welchen Alters sie bei sich aufnehmen können. Sie erklären sich bereit, in diesem vereinbarten Rahmen Kinder „rund um die Uhr“, auch nachts, bei sich aufzunehmen.

Bereitschaftspflegefamilien erhalten ein erhöhte Pflegegeld und häufig auch für zwischenzeitlich nicht besetzte Plätze ein sogenanntes „Freihaltegeld“.

Besuchskontakte

Besuchkontakte stellen für Pflegeeltern und leibliche Eltern oft eine besondere Herausforderung dar.

Leibliche Eltern werden mit der Familie konfrontiert, die „es besser macht“ und müssen erleben, dass ihr Kind sich an „fremde Personen“ bindet. Dennoch ist es wichtig, dass sich leibliche Eltern darum bemühen, nicht den Pflegeeltern die Schuld für die Unterbringung dort zu geben.

Pflegeeltern werden mit der Herkunft des Kindes konfrontiert und damit, was das Kind vor der Unterbringung bei ihnen, erleben musste. Das bringt häufig Gefühle wie Trauer oder Wut mit sich. Dies ist verständlich. Dennoch ist es wichtig, dass die Pflegeeltern sich bezüglich der leiblichen Eltern um eine Unterscheidung von Persönlichkeit und dem, was sie (nicht) getan haben, bemühen. Pflegeeltern müssen und sollen die Vorkommnisse, die zur Herausnahme des Kindes geführt haben, nicht tolerieren, verschweigen oder beschönigen, sie dürfen aber dennoch die Personen nicht verachten.

Wenn dies gelingt, können auch Besuchskontakte positiv verlaufen. Hierbei werden sowohl die leiblichen Eltern als auch die Pflegeeltern häufig Unterstützung durch das Jugendamt benötigen.

Wer hat ein Anrecht auf Besuchkontakte?

Gem. § 1684 BGB haben Kinder einen Anrecht auf Umgang mit beiden Elternteilen. Dies gilt grundsätzlich auch für Kinder, die nicht mehr bei ihren Eltern leben. Auch die Eltern haben ein Recht auf Umgang mit dem Kind. Dieses Recht besteht unabhängig davon, ob die Eltern noch sorgeberechtigt sind.
Durch Besuchskontakte sollen leibliche Eltern und Kind den gegenseitigen Kontakt halten.

Gem. § 1685 BGB haben auch andere für das Kind wichtige Bezugspersonen (Großeltern, Stiefelternteil, Lebenspartner der Mutter, ehemalige Pflegeeltern), wenn diese tatsächliche Verantwortung für das Kind übernommen hatten, ein Recht auf Umgang mit dem Kind. Der Umgang mit nahen Bezugspersonen soll dem Kind eine größtmögliche Kontinuität ermöglichen, extreme Brüche verhindern und eine Verbindung zwischen verschiedenen Lebenssituationen schaffen.

Welches Ziel haben Besuchskontakte?

Je nach Unterbringungsform des Kindes werden durch die Besuchskontakte unterschiedliche Ziele verfolgt.

Ist innerhalb eines überschaubaren Zeitraumes die Rückkehr zu den leiblichen Eltern geplant, dienen die Besuchskontakte der Erhaltung und Festigung der Bindung.

Bei dauerhaftem Verbleib des Kindes in der Pflegefamilie soll durch die Besuchskontakte erreicht werden, dass sich Pflegekind und leibliche Eltern nicht vollständig entfremden, sondern dass sie um- und voneinander wissen.
Pflegekinder – auch wenn sie bereits als Baby in die Pflegefamilie kamen – wachsen in dem Bewusstsein auf, zwei Eltern (-paare) zu haben und wollen in der Regel „irgendwann“, spätestens in der Pubertät, um ihre Herkunft wissen. Sie wollen die Gründe der Unterbringung verstehen können und eventuell Fragen an ihre leiblichen Eltern stellen, möchten wissen, wo sie ihren Eltern ähneln und wo sie sich unterscheiden… Findet ein durchgängiger Kontakt statt, lässt sich für die Kinder ihre Lebenssituation oft leichter begreifen.

Wurde der Umgang z. B. aufgrund schwerer Traumatisierungen ausgeschlossen oder machen die Eltern von ihrem Besuchsrecht keinen Gebrauch, ist es sinnvoll, für das Kind Informationen und ggf. Fotos zu sammeln, um bei Fragen Antworten geben zu können.

Wer entscheidet über die Besuchskontakte?

Die Planung und Durchführung von Besuchskontakten ist immer an den Bedürfnissen des Pflegekindes zu orientieren aber auch daran, dass die leiblichen Eltern ein Anrecht darauf haben, an der Entwicklung ihres Kindes teilzuhaben.

Über die Ausgestaltung von Besuchskontakten wird in der Hilfeplanung entschieden. Jugendamt, Vormund, leibliche Eltern und Pflegeeltern vereinbaren sich über die Häufigkeit und Dauer der Besuchkontakte, über den Ort und eventuelle weitere Rahmenbedingungen (z.B. begleiteter Umgang) und evtl. Veränderungen zu vorherigen Absprachen.

Wo und wie häufig finden Besuchskontakte statt?

Besuchskontakte können an einem neutralen Ort, z.B. Spielplatz oder Spielzimmer im Jugendamt stattfinden.

Besuchskontakte können auch im Haushalt der Pflegefamilie stattfinden. Pflegeeltern haben aber keine Verpflichtung, dies zuzulassen (Unverletzlichkeit der Wohnung).

Leibliche Eltern können das Kind zum Besuchskontakt abholen und nach Ablauf der vereinbarten Zeit zurückbringen.

Welche „Form“ des Besuchskontaktes gewählt wird, ist immer im Einzelfall abzuwägen. Hierbei sind die Bedürfnisse und das Alter des Kindes, die Vorerfahrungen in der leiblichen Familie, die aktuelle Situation in der Herkunftsfamilie, die Einstellung der leiblichen Eltern zur und das Ziel der Unterbringung (dauerhaft oder Rückführung geplant) des Kindes u.a. zu berücksichtigen.
Gleiches gilt für die Häufigkeit und Dauer der Besuchskontakte.

Gibt es immer Besuchskontakte?

Die Umgangskontakte dürfen das Wohl des Kindes nicht gefährden oder schädigen. Außerdem haben sich die Eltern und weitere Umgangspersonen des Kindes so zu verhalten, dass Beziehungen des Kindes zu den Pflegeeltern nicht beeinträchtigt werden und die Erziehung des Kindes durch den Umgang nicht erschwert wird (§ 1684 Abs. 2 BGB).

Stellen Besuchskontakte eine Gefährdung des Kindeswohles dar (z.B. bei traumatisierten Kindern, die durch die Besuche retraumatisiert werden) können die Umgangskontakte ausgesetzt werden. Auch hierzu bedarf es einer Vereinbarung im Rahmen der Hilfeplanung. Ist diese nicht erreichbar, kann über das Gericht eine Aussetzung der Umgangskontakte beantragt werden (§ 1684 Abs. 4 BGB).

Erfahren die Eltern dann gar nichts über das Kind?

Wurde der Umgang von leiblichen Eltern zu ihrem Kind ausgeschlossen,
steht ihnen ersatzweise ein Auskunftsrecht zu (§ 1686 BGB), sofern sie ein berechtigtes Interesse haben und das Auskunftsrecht keine Kindeswohlgefährdung bedeutet.

Im Rahmen des Auskunftsrechtes stehen den Eltern regelmäßige Informationen über die allgemeine Entwicklung des Kindes zu, nicht jedoch Informationen über jeden kleinen Entwicklungsschritt oder in kurzen zeitlichen Abständen.

Bewerberverfahren

Wer kann überhaupt Pflegeeltern werden?

Es gibt keine Vorschrift, die besagt, dass nur „traditionelle Familien“ Pflegeeltern werden können. Auch unverheiratete Paare, Alleinerziehende, gleichgeschlechtliche Paare oder Wohngemeinschaften können ein Pflegekind aufnehmen. Wichtig ist bei allen Bewerbern, dass sie in der Lage sind, dem Pflegekind emotionale und materielle Stabilität zu geben. Zudem wird bei der Vermittlung in Dauerpflege darauf geachtet, dass es einen natürlichen Altersabstand zwischen Bewerber und Kind gibt und dass das Kind im Familiengefüge einen angemessenen Platz finden kann. Bei Bereitschafts- und Verwandtenpflege gelten andere Maßstäbe.

Welche Voraussetzungen werden an Pflegefamilien gestellt?

Pflegefamilien müssen in der Lage sein, sich auf ein fremdes Kind einzulassen und ihm emotionale Stabilität zu geben. Sie müssen akzeptieren können, dass das Kind immer auch leibliche Eltern hat, die im Leben des Kindes eine Rolle gespielt haben und auch weiter spielen. Sie müssen bereit sein, mit den leiblichen Eltern und den Fachkräften zusammen zu arbeiten. Sie müssen sich bewusst sein, dass Pflegekinder aufgrund ihrer Vorerfahrungen häufig erziehungsschwierig sind.

Sie sollten materiell abgesichert sein. Es wird zwar für Pflegekinder Pflegegeld gezahlt, welches sich aus einem Betrag für den Lebensunterhalt des Kindes und einem Anerkennungsbetrag für die Erziehungsleistung zusammensetzt und dessen Höhe regional unterschiedlich ist. Dieses Pflegegeld soll aber nicht dazu dienen, den Lebensunterhalt der anderen Familienmitglieder sicher zu stellen.

Pflegefamilien sollen zudem über ausreichend Wohnraum verfügen. Zwar ist ein eigenes Zimmer für jedes Kind nicht Voraussetzung, bei größeren Kindern sollte es aber zur Verfügung stehen.

Wer ist Ansprechpartner für Bewerber?

Zuständig für die Überprüfung und Vorbereitung von Bewerbern und auch die Auswahl von Pflegeeltern für ein bestimmtes Kind sind in der Regel die Jugendämter. Mancherorts haben verschiedene freie Träger (z.B. Caritas, das Diakonische Werk, SKF ) eigene Vermittlungsstellen, suchen Pflegeeltern und bilden sie aus, die Pflegeerlaubnis für ein bestimmtes Kind kann aber nur durch das Jugendamt erteilt werden.
Auch bei besonderen Pflegeformen (z.B. sonderpädagogische oder heilpädagogische Pflegefamilien, Westfälische
Pflegefamilien) kann die Betreuung über freie Träger erfolgen.

Über die Struktur in der eigenen Kommune kann immer das örtlich zuständige Jugendamt Auskunft geben.

Wie läuft das Bewerberverfahren ab?

Jugendämter sind verpflichtet, Pflegeelternbewerber dahingehend zu überprüfen, ob sie für die Aufnahme eines Pflegekindes grundsätzlich geeignet sind und sie auf ihre Aufgabe vorzubereiten.

Im Rahmen der Überprüfung werden in der Regel mehrere Hausbesuche durch die zuständige Fachkraft beim Jugendamt/Pflegekinderdienst oder durch die Fachkraft des zuständigen freien Trägers stattfinden. In Gesprächen und mit Hilfe von Fragebögen werden Fragen zur eigenen Familiensituation und zum Familienleben, zu eigenen Kindheitserfahrungen, zu Weltanschauung, Erziehungsstilen, Rollenverhalten und Konfliktbewältigung, zur Lebensplanung, zur Motivation zur Aufnahme eines Kindes und zu den Fähigkeiten und Grenzen der Bewerberfamilie thematisiert.

Es ist wichtig, dass Bewerber und Fachkraft über diese Fragen ehrlich und offen miteinander sprechen können. Nur so kann gemeinsam ermittelt werden, welches Kind in die Familie passen könnte. Die Gespräche sind wichtige Grundlage dafür, dass eine spätere Vermittlung gelingen kann.

Zudem werden im Bewerberverfahren in der Regel folgende Unterlagen verlangt:
· Gesundheitszeugnis
· erweitertes polizeiliches Führungszeugnis
· Nachweis über die finanziellen Verhältnisse

Ausserdem werden Bewerber geschult.

Wie werden künftige Pflegeeltern auf ihre Aufgabe vorbereitet?

Im Rahmen des Bewerberverfahrens sollen die künftigen Pflegeeltern geschult und so auf ihre künftige Aufgabe vorbereitet werden.
Dies kann in Einzelgesprächen geschehen, üblicherweise organisieren die Jugendämter jedoch Seminare, in denen mehrere Bewerberfamilien gemeinsam geschult werden. Umfang und Inhalt der Seminare sind sehr unterschiedlich. Seminare bieten Bewerbern jedoch immer die Chance, im Austausch nicht nur mit einer Fachkraft, sondern auch mit anderen Bewerbern ihre eigenen Vorstellungen und Positionen noch einmal zu überdenken und ggf. zu verändern.

Für die Aufnahme eines behinderten Pflegekindes werden oft besondere Anforderungen an die Pflegepersonen gestellt, z.B. berufliche Erfahrungen in einem pädagogischen oder pflegerischen Beruf oder die Teilnahme an einer besonderen Schulung.

Was passiert nach dem Bewerberverfahren?

Wenn Bewerber nach dem Verfahren als Pflegefamilie anerkannt sind, beginnt die Phase des Wartens. Es gibt keine Vorschrift, die besagt, dass eine Pflegfamilie ein Anrecht auf die Vermittlung eines Kindes hätte. Bei der Vermittlung eines Kindes wird stets vom Kind ausgegangen und überprüft, in welche zur Verfügung stehende Bewerberfamilie es am ehesten passen würde. Ob andere Bewerber bereits länger warten, ist unerheblich.

Bewerber können sich aber nach abgeschlossenem Bewerberverfahren und erfolgter Anerkennung auch bei anderen Jugendämtern um die Aufnahme eines Kindes bewerben.

Bindungsfähigkeit

Die Grundlagen der Bindungsfähigkeit werden im ersten Lebensjahr des Kindes angelegt.

Ab dem Tag der Geburt ist das Verhalten des Kindes daran ausgerichtet, die Aufmerksamkeit einer erwachsenen Person zu erhalten. Hierfür verfügt es über ein biologisch angelegtes Repertoire an Verhaltensweisen: weinen, schreien, glucksen, grinsen…, die der erwachsenen Person signalisieren, wie sich das Kind fühlt und was es benötigt.

Für die gesunde Entwicklung eines Säuglings ist es absolut notwendig, dass seine primäre Bindungsperson feinfühlig ist. Das heißt, die Signale des Säuglings müssen von der erwachsenen Bezugspersonen verstanden und die dahinter stehenden Bedürfnisse unmittelbar, regelmäßig und zuverlässig befriedigt werden. Dies stellt die existentiellen Grundbedürfnisse (Nahrung, Sauberkeit, Wärme) sicher und gibt dem Kind die Sicherheit, sich auf die Erkundung der Welt einzulassen.

Die erwachsene Bezugsperson muss nicht zwangsläufig die leibliche Mutter sein. Auch andere Erwachsene können diese Rolle übernehmen, wenn sie dem Kind liebevoll begegnen, beständig und für das Kind gefühlsmäßig erreichbar sind und ihre Zahl überschaubar ist. Zwar liebevoll zugewandte, aber ständig wechselnde Bezugspersonen können dem Bindungsbedürfnisses eines Säuglings/ Kleinkindes nicht gerecht werden.

Werden die Signale des Kindes erkannt und seine Bedürfnisse zuverlässig, liebevoll und beständig erfüllt, kann das Kind eine sichere Bindung eingehen. Es wächst in dem Bewusstsein von Sicherheit und Geborgenheit auf und erhält daraus die Zuversicht, auch in neuen Situationen Schutz finden zu können und sie nicht als Bedrohung zu erleben. Es kann „die Welt erkunden“.
Ein bindungssicheres Kind verhält sich eher unternehmungslustig. Solange die Eltern in Sichtweise sind, bewegt es sich von ihnen fort, um seine Umgebung zu erforschen. Es entwickelt Neugier und Selbstständigkeit, denn es weiß, dass es im Zweifelsfall beschützt wird. In ungewohnten Situationen schwindet jedoch seine Neugier und es sucht die Nähe seiner erwachsenen Bezugspersonen, um zunächst von dort aus – sicher und beschützt – die neuen Erfahrungen einzuschätzen.

Das Erleben einer sicheren Bindung und damit verbunden die positiv geprägten Erlebnisse und Erfahrungen führt zu einer Hirnreifung. Bei der Geburt ist das Gehirn nur mit den „genetisch verankerten Programmen“ ausgestattet, die überlebensnotwendig sind. „Alles andere“ muss sich entwickeln. Das Gehirn muss reifen, es werden Vernetzungen aufgebaut. Die Entwicklung dieses Reifungsprozesses ist abhängig von den Erfahrungen, die das Kind macht und den Dingen, die es erlebt. Positive Erfahrungen und Altersangemessene und ausreichende Anreize fördern die Reifung des Gehirns – sowohl im Bereich der kognitiven als auch der emotionalen und sozialen Fähigkeiten. Aus diesem Prozess entsteht eine emotionale Bindung, die für ein ganzes Leben wichtig ist.

Erleben Kinder in dieser sehr frühen Phase ihres Lebens (und auch darüber hinaus) ihre erwachsenen Bezugspersonen als nicht dauerhaft zuverlässig und beständig, sondern als ambivalent, desorientiert oder gar abweisend oder müssen sie die Erfahrung machen, dass ihre „Bindungsangebote“ (die Signale, die sie geben) nicht angenommen oder falsch gedeutet werden (z.B. bei Vernachlässigung), kann es nicht nur zu körperlich existentiellen Problemen, sondern auch zu langfristigen Bindungsstörungen mit Folgeschäden in der emotionalen Gesundheit kommen.

Bindungsstörung

Die Bindungsstörungen des Kindes gehören gemäß ICD-10 zur Gruppe gestörter sozialer Funktionen. Es wird unterschieden in
reaktive Bindungsstörung des Kindesalters (F94.1, entspricht „gehemmte Form“ im DSM-IV) und
Bindungsstörung des Kindesalters mit Enthemmung (F94.2, entspricht „ungehemmte Form“ im DSM-IV).

Die Symptome einer reaktiven Bindungsstörung im Kindesalter sind:

1. Störungen der sozialen Funktion:
• Abnormes Beziehungsmuster zu Betreuungspersonen mit einer Mischung aus Annäherung und Vermeidung und Widerstand gegen Zuspruch
• Eingeschränkte Interaktion mit Gleichaltrigen
• Beeinträchtigung des sozialen Spielens
• Gegen sich selbst und andere gerichtete Aggressionen und

2. Emotionale Auffälligkeiten
• Furchtsamkeit
• Übervorsichtigkeit
• Unglücklichsein
• Mangel an emotionaler Ansprechbarkeit
• Verlust/Mangel an emotionalen Reaktionen
• Apathie
• „frozen watchfulness“ („eingefrorene Wachsamkeit“).

Im Rahmen der Diagnostik sollen die Störungen im sozialen und emotionalen Bereich nicht nur gegenüber einer Person, sondern in verschiedenen sozialen Situationen zu beobachten sein. Die reaktive Bindungsstörung tritt besonders bei jüngeren Kindern auf.

Die Ursachen einer reaktiven Bindungsstörung im Kindesalter sind vor allem in Vernachlässigung und Verwahrlosung im frühen Kindesalter zu sehen.

Die Symptome einer Bindungsstörung im Kindesalter mit Enthemmung sind überwiegend Störungen der sozialen Funktionen:

• Abnormes Beziehungsmuster zu Betreuungspersonen mit einer Mischung aus Annäherung und Vermeidung und Widerstand gegen Zuspruch
• Inadäquate Reaktionen auf Beziehungsangebote von Bezugspersonen
• Nicht-selektives Bindungsverhalten mit wahlloser Freundlichkeit und Distanzlosigkeit
• Gleichförmige Interaktionsmuster gegenüber Fremden
• Eingeschränkte Interaktion mit Gleichaltrigen
• Beeinträchtigung des sozialen Spielens
• Gegen sich selbst und andere gerichtete Aggressionen

Emotionale Auffälligkeiten können vorkommen, stehen aber nicht im Vordergrund. Die Bindungsstörung mit Enthemmung entwickelt sich in der Regel im fünften Lebensjahr aus der erstgenannten Störung.

Diagnostik von Bindungsstörungen

Die Symptome von Bindungsstörungen ähneln denen anderer möglicher Diagnosen. Symptomähnliche Diagnosen können sein:
• Psychosoziale Probleme infolge von sexueller oder körperlicher Misshandlung im Kindesalter
• Körperliche Probleme infolge von Misshandlung
• Autismus (Diagnostikunterschied: Sprachvermögen intakt)
• Asperger Syndrom
• Anpassungsstörungen/ Schizoide Persönlichkeitsstörung/ Formen der Schizophrenie (Diagnostikunterschied: keine Wahnvorstellungen)
• Kognitive Behinderungen (Diagnostikunterschied: Intelligenz normal ausgeprägt)

Im Rahmen der Diagnostik müssen diese möglichen anderen Störungen ausgeschlossen werden.

Hierbei ist ein sorgfältiges Vorgehen erforderlich. Durch:

• die Exploration der Bezugspersonen: allgemeiner Entwicklungsverlauf des Kindes, Entwicklung der Symptomatik, Lebensbedingungen, Wechsel von Bezugspersonen, Betroffensein von aktiver oder passiver Misshandlung und/oder sexuellem Missbrauch
• Informationen von Fachkräften, die das Kind kennen (Schule, Kindergarten, Kinderarzt, Jugendamt): Verhalten, Entwicklungsstand und Leistung
• die Exploration des Kindes (in Abhängigkeit vom Alter): Ausmaß der Störungen, der aktuellen und zu erwartenden Beeinträchtigungen und
• eine körperliche und psychiatrische Untersuchung des Kindes: Ausschluss symptomähnlicher Diagnosen

soll ein möglichst umfassendes Bild entstehen.

Zudem ist zu untersuchen, ob möglicherweise Begleitstörungen (z.B. Störungen des Sozialverhaltens, Hyperkinetische Störungen, Angststörungen) vorliegen.

Behandlung von Bindungsstörungen

Ziele der Behandlung von Bindungsstörungen sind
1. die (Wieder-)Herstellung eines die Entwicklung fördernden Bezugsrahmens, der dem Kind Bindungsstabilität bieten kann. Dies kann u.U. die Herausnahme aus dem derzeitigen Bezugsrahmen nötig machen. Der Bezugsrahmen soll idealerweise alle das Kind betreffenden psychosozialen Kontakte umfassen (Familie, Pflegefamilie, Heim, Kindergarten, Schule…) und
2. die Aufarbeitung der eventuell bestehenden Entwicklungsbeeinträchtigungen.

Dies kann auf ambulantem, teilstationärem oder stationärem Weg erfolgen. Welche Art der Behandlung angezeigt ist, ist abhängig von dem Schweregrad der Störung, von Ausmaß und Auftreten von Entwicklungsbeeinträchtigungen (wie stark, nur in der Familie oder auch an anderen Orten) und der Funktionsfähigkeit des psychosozialen Umfeldes.

Ambulante Behandlung

Ist die Funktionsfähigkeit überwiegend nur in einem Bereich gestört (z.B. Familie) und ist die Eingliederung in den bisherigen Bezugsrahmen wieder möglich, kommt eine ambulante Behandlung in Betracht.
Sie umfasst
• die Aufklärung der familiären Bezugspersonen über die Symptomatik und evtl. Begleitstörungen und über Verlauf und Prognose sowie die Beratung und Begleitung der Bezugspersonen im Hinblick auf ihr Verhalten dem Kind gegenüber (Reflexion/ Supervision, Verhaltensänderung, Verhaltensteuerung, Stärkung)
• Aufklärung und Beratung von Erziehern und Lehrern und anderen nicht-familiären Bezugspersonen
• Aufklärung des Kindes (in altersangemessener Weise) bzgl. der Gründe seines Verhaltens
• psychotherapeutische Einzel- oder Gruppenmaßnahmen
• evtl. funktionelle Therapien (z.B. Krankengymnastik, Logopädie, Ergotherapie), sofern entsprechende Entwicklungsstörungen vorliegen
• evtl. medikamentöse Therapie
• evtl. Behandlung von Begleitstörungen wie hyperkinetisches Syndrom

Teilstationäre Behandlung

Ist die Funktionsfähigkeit in mehr als einem Bereich gestört (z.B. Schule und Familie), eine Eingliederung in den bisherigen Bezugsrahmen jedoch wieder möglich, kommt eine teilstationäre Behandlung in Betracht. Sie bedeutet z.B. die tageweise Unterbringung des Kindes in einer sozialpädagogischen Tagespflege oder einer Tagesgruppe der Kinder- und Jugendpsychiatrie. Dort erfolgen die therapeutischen Angebote an das Kind.

Die teilstationäre Behandlung entlastet die Bezugspersonen, stellt aber gleichzeitig sehr hohe Anforderungen an ihre Kooperationsbereitschaft und –fähigkeit, da das (bindungsgestörte!) Kind einem ständigen Wechsel des Bezugsrahmens ausgesetzt ist.

Stationäre Behandlung

Die stationäre Behandlung ist dann angezeigt, wenn aufgrund des Schweregrades der Symptomatik die Eingliederung des Kindes in sein bisheriges bindungsstabiles Milieu nicht unmittelbar möglich ist, sondern längerfristig vorbereitet werden muss.

Im Rahmen der stationären Behandlung mit dem Ziel der Wiedereingliederung in den bisherigen Bezugsrahmen ist es unabdingbar, dass dem Kind die Bezugspersonen erhalten bleiben.

Ist eine Rückkehr in das bisherige Lebensumfeld nicht möglich (z.B. weil das bisherige Lebensumfeld des Kindes sich als nicht Entwicklungsfördernd und Bindungsstabil erweist oder weil die Schwere der Symptomatik im bisherigen Bezugsrahmen des Kindes nicht aufgefangen werden kann), müssen Maßnahmen der Jugendhilfe eingeleitet werden (z.B. Herausnahme aus der leiblichen Familie, Pflegestellenwechsel)

Biografiearbeit

Warum ist Biografiearbeit wichtig?

Biografiearbeit hilft Klarheit in der eigenen Lebensgeschichte zu erlangen.
Das, was Menschen erleben, prägt sie. Jede Erfahrung wird gewichtet und bildet einen Baustein für den eigenen Lebensweg, für die Art, wie Entscheidungen getroffen und Beziehungen gelebt werden. Häufig geschieht dies unbewusst.
Nur das Bewusstsein um die eigene Geschichte, das Verstehen, welche Ereignisse einen Menschen – auch und gerade in einem sehr frühen und nicht erinnerlichem Alter – geprägt haben, bieten aber die Möglichkeit für Veränderungen.

Üblicherweise haben Kinder oder Erwachsene die Möglichkeit, sich über Personen ihres nahen Umfeldes (Eltern, Großeltern, Tanten, Onkel, Freunde oder Nachbarn) an Dinge zu erinnern oder können nicht mehr Erinnertes nachfragen und so die für sie wichtigen Erlebnisse in ihr Leben integrieren.

Pflegekinder leben nicht mehr in ihrem früheren nahen Umfeld, sondern in einem neuen Familiensystem mit neuen sozialen Bezügen. Für sie ist diese Form der Informationsgewinnung nur schwierig oder auch gar nicht möglich. Sie kommen häufig ohne bekannte Biografie, also nur mit rudimentären Grundinformationen in ihrer Pflegefamilie an.

Die Pflegeeltern haben dann bei physischen oder psychischen Entwicklungsstörungen des Kindes keinen biografischen Hintergrund, der ihnen die Problematiken des Kindes verstehen helfen könnte.
Auch die Pflegekinder sind zwar häufig um Veränderung bemüht, können aber, wenn ihnen Informationen fehlen oder sie sie nicht wahrhaben wollen, ihren Weg aufgrund ihres „aus unbewussten Erfahrungen angelegten Lebensweg“ kaum verlassen. Basierend auf wenigen, häufig „geschönten“ Informationen entwickeln sie Vorstellungen über ihre Geschichte, die mit den tatsächlichen Begebenheiten (und damit dem, was sie geprägt hat) nicht in Einklang zu bringen sind. Das birgt die Gefahr, dass unrealistische Vorstellungen entwickelt werden.

Deshalb ist es wichtig, mit dem Kind gemeinsam an seiner Biografie zu arbeiten. Dies fällt Pflegeeltern häufig schwer. Wenn sie z.B. mit der Aufnahme des Kindes überwiegend den Wunsch verbunden haben, die eigene Familie um ein Mitglied zu erweitern, können sie dazu neigen zu vergessen, dass das Kind neben ihnen noch eine weitere Familie und dort entsprechende (positive und negative) Erfahrungen gemacht hat. Wenn das Kind durch die eigene Familie traumatisiert wurde, kann es Pflegeeltern schwer fallen, die Eltern in das Leben des Kindes zu integrieren. Ähnliches gilt auch bei Nicht-Interesse der leiblichen Eltern.

Unabhängig davon, ob Kontakt zwischen leiblichen Eltern und Kind besteht und auch davon, welche Vorfälle zur Herausnahme des Kindes aus der leiblichen Familie geführt haben ist es wichtig, dass sich Pflegeeltern verdeutlichen, dass auch die ersten Lebenserfahrungen des Kindes existentieller Bestandteil seines Lebens sind.
Setzen sie sich mit der Geschichte ihres Pflegekindes auseinander, kann ihnen das helfen, das Verhalten des Kindes zu verstehen.
Unterstützen sie ihr Pflegekind in der Auseinandersetzung mit der eigenen Biografie, helfen sie ihm, über die Bewusstmachung einen Weg zur Veränderung vorzubereiten.

Wie „funktioniert“ Biografiearbeit?

Die Biografie ist eine Art Lebenslauf, der nie abgeschlossen ist, sondern sich bis zum Tod eines Menschen immer weiter und anders gestaltet.

Dabei wird die Biografie nicht nur von den eigenen Empfindungen und Erinnerungen sondern auch denen außenstehender Personen und der Deutungen und Interpretationen ergänzt und beeinflusst.

Das Ziel von Biografiearbeit ist es, Erkenntnisse über die Lebensgeschichte eines Menschen zu sammeln, Klarheit darüber zu erlangen, was diese Erkenntnisse für den Lebensweg bedeuten und ggf. einen Weg für eine nachfolgende Veränderungsarbeit zu schaffen.
Biografiearbeit bei Pflegekindern hat darüber hinaus noch zum Ziel, die leiblichen Eltern mit ihren positiven und negativen Seiten in das Leben des Kindes zu integrieren.

Eine klare Anleitung, wie dieses Ziel zu erreichen ist, gibt es nicht. Grundsätzlich ist es aber wichtig, dass diejenigen, die die Biografiearbeit mit einem Kind beginnen, bereit sind, sich auf eine beständige Beziehung mit dem Kind einzulassen. Biografiearbeit kann sowohl im familiären Rahmen als auch eingebunden in eine therapeutische Maßnahme erfolgen.

Es bietet sich an, gemeinsam mit dem Kind ein Lebensbuch zu gestalten (z.B. ein Schnellhefter, dem Seiten hinzugefügt werden oder in dem Seiten ausgetauscht werden können). In dieses Buch können aufgenommen werden

· eine Landkarte, auf der alle wichtigen Lebensstationen des Kindes eingezeichnet sind,
· ein Familienstammbaum,
· Kopie der Geburtsurkunde,
· Fotos der leiblichen Familie, von Bereitschaftspflege- und Dauerpflegepersonen oder von früheren Wohnorten/Zeichnungen des Kindes,
· Informationen zu den leiblichen Eltern (Name, Geburtstag und –ort),
· Informationen zu leiblichen Geschwistern (Name, Alter, wo leben sie),
· Informationen zu weiteren Verwandten (Grosseltern, Tante, Onkel…),
· Informationen zu Wohnorten vor der Inpflegegabe (wann wo mit wem gewohnt),
· Informationen zur Ankunft in der Pflegefamilie,
· Informationen zur Pflegefamilie,
· Informationen zu Kindergarten, Schulen, anderen Einrichtungen, in denen sich das Kind aufgehalten hat,
· Erinnerungen des Kindes,
· Erinnerungen anderer Personen (Sozialarbeiter, Verwandte, Eltern, Pflegeeltern…),
· Raum für persönliche Eintragungen des Kindes (Lieblingstier, Lieblingssänger… , Berufswunsch, eigene Stärken und Schwächen, beste Freunde usw.),
· …

Ale Eintragungen sollten mit Datum versehen werden und können – wenn das Kind älter geworden ist – ergänzt werden.

Das Lebensbuch kann auch als Tonträger oder Videokassette gestaltet werden.

Wichtig: Es geht bei der Biografiearbeit nicht darum, innerhalb einer bestimmten Zeit ein Kunstwerk zu schaffen. Es geht vielmehr darum, einen Prozess der Auseinandersetzung und Bewusstseinsmachung in Gang zu setzen. Inhalt und Tempo sind von Kind zu Kind unterschiedlich. Zeit für Gespräche, die sich aus der Gestaltung des Lebensbuches ergeben können, muss zur Verfügung stehen. Die Bereitschaft der begleitenden erwachsenen Person, sich auf Gespräche mit schwierigem Inhalt (z.B. Missbrauch, Misshandlung oder Suchtmittelkonsum in der Herkunftsfamilie) einzulassen und die Fähigkeit, das Kind einfühlsam zu begleiten, sind unabdingbar. Zudem muss die begleitende Person darauf achten, dass das Kind im Rahmen der Biografiearbeit nicht überfordert wird.

In der Biografie eines Pflegekindes wird es möglicherweise Zeiten oder Ereignisse geben, über die keine oder kaum Informationen vorliegen oder zu erhalten sind. In diesem Fall muss im Rahmen der Biografiearbeit auf die wahrscheinlichste Vermutung oder auf Generalisierungen zurück gegriffen werden („Oft haben Eltern selber eine schwierige Kindheit gehabt und nie gelernt, was ein Kind benötigt“ o.ä.).

C
Careleaver

„Careleaver“ stammt aus dem Englischen und heißt wortwörtlich übersetzt „Fürsorge-Verlasser“ (Care-Leaver). Careleaver sind Menschen, die einen Teil ihres Lebens in einer Pflegefamilie oder einer Einrichtung der Jugendhilfe verbracht haben und diese auf dem Weg in ein eigenständiges Leben wieder verlassen. Dieser Übergang ist mit vielfältigen Herausforderungen verbunden, die Careleaver im Gegensatz zu ihren Gleichaltrigen oft alleine bewältigen müssen.

D
Dauerpflege

Vollzeitpflege gem. § 33 SGB VIII Vollzeitpflege stellt eine Form der Hilfe zur Erziehung außerhalb der Familie dar. Gründe, die eine Unterbringung in einer Vollzeitpflege erforderlich machen, können Vernachlässigung, Misshandlung oder Missbrauch, eine langanhaltende Überforderungssituation der Eltern, z.B. aufgrund von psychischen oder Suchterkrankungen oder die fehlenden Mitwirkungsbereitschaft oder –fähigkeit der leiblichen Eltern an einer Veränderung der versorgerischen, betreuerischen oder erzieherischen Situation in der Familie sein.

Stellt sich – entweder bereits zu Beginn der Hilfe zur Erziehung oder in deren Verlauf – heraus, dass die Prognose hinsichtlich der Möglichkeit der Verbesserung der (erzieherischen) Situation in der Herkunftsfamilie ungünstig erscheint, so dass eine Rückführung des Minderjährigen in die Ursprungsfamilie innerhalb eines für das Kind vertretbaren Zeitraums nicht in Betracht kommt, soll gem. § 37 SGB VIII Zusammenarbeit bei Hilfen außerhalb der eigenen Familie für das Kind eine auf Dauer angelegte Lebensperspektive erarbeitet werden.
Eine solche Perspektive stellt die Unterbringung in einer Dauerpflegfamilie dar. Sie ist gegenüber der Heimerziehung vorrangig, aber nachrangig gegenüber der Adoption.

Die Dauerpflegefamilie hat eine familienersetzende Funktion. Der Schwerpunkt der Hilfe liegt im Aufbau einer sicheren, dauerhaften Bindung des Kindes an seine Ersatzeltern, die ihrerseits die „soziale Elternschaft“ und die langfristige Erziehungsverantwortung übernehmen.

In Dauerpflegestellen sollen Kinder und Jugendliche untergebracht werden, deren erzieherische Bedarf einen Rahmen fordert, der von „normalen Familien“ ohne besondere pädagogische oder pflegerische Ausbildung geleistet werden kann. Dennoch gelten auch diese Kinder und Jugendlichen aufgrund ihrer Vorerfahrungen häufig als erziehungsschwierig.
„Für besonders entwicklungsbeeinträchtigte Kinder und Jugendliche sind geeignete Formen der Familienpflege zu schaffen und auszubauen“ (§ 33 SGB VIII Vollzeitpflege). Diesem gesetzlichen Auftrag werden die Jugendämter durch die Bereithaltung von professionellen Pflegestellen gerecht.

Die Unterbringung eines Minderjährigen in einer Dauerpflegefamilie erfolgt durch das Jugendamt in eine zuvor auf ihre Geeignetheit überprüfte Pflegestelle.

Im Rahmen einer regelmäßigen Hilfeplanung (§ 36 SGB VIII Mitwirkung, Hilfeplan)werden zwischen allen an der Hilfe Beteiligten die Ziele der Hilfe festgeschrieben und überprüft sowie die Rahmenbedingungen vereinbart. Zudem ist das Jugendamt dazu verpflichtet, regelmäßig zu überprüfen, ob die Pflegefamilie das Wohl des Kindes wahrt. Die Pflegefamilie ist dazu verpflichtet, das Jugendamt über wichtige das Kind betreffende Ereignisse zu unterrichten, hat aber gleichzeitig auch einen gesetzlichen Anspruch auf Beratung und Unterstützung durch das Jugendamt (§ 33 SGB VIII Vollzeitpflege).

Auch wenn Kinder dauerhaft in einer Pflegefamilie leben und diese familienersetzenden Charakter hat, so haben die leiblichen Eltern (und evtl. weitere Personen aus dem früheren sozialen Umfeld) ein Umgangsrecht mit dem Kind (und das Kind mit ihnen), sofern dies keine Kindeswohlgefährdung darstellt.

Gem. § 39 SGB VIII Leistungen zum Unterhalt des Kindes oder des Jugendlichen erhalten Pflegeeltern ein Pflegegeld, das den gesamten Lebensunterhalt des Kindes und die Kosten der Erziehung umfasst und können darüber hinaus Zuschüsse oder einmalige Beihilfen beantragen, über deren Bewilligung in pflichtgemäßem Ermessen zu entscheiden ist.

Die Herausnahme aus der leiblichen Familie geht nicht zwangsläufig mit einem Entzug des elterlichen Sorgerechts einher. Erklären sich die leiblichen Eltern mit der Hilfe einverstanden und wirken an ihr mit, behalten sie das Sorgerecht. Nur wenn sie die notwendige Hilfe ablehnen oder durch von ihnen getroffene Entscheidungen das Ziel der Hilfe gefährden, können ihnen Teile des Sorgerechtes oder das Sorgerecht insgesamt entzogen und ein Pfleger bzw. Vormund eingesetzt werden.

Wurden den Eltern Teile des Sorgerechts oder das Sorgerecht insgesamt entzogen, ist in Dauerpflegeverhältnissen eine Übertragung der Pflegschaft/Vormundschaft auf die Pflegeeltern möglich, wenn das Kind in die Familie integriert ist und die Rahmenbedingungen des Pflegeverhältnisses (z.B. Besuchskontakte, Umgang zwischen leiblichen und Pflegeeltern) keine besonderen Belastungen aufweisen. Hierzu bedarf es eines richterlichen Beschlusses.
Sind die leiblichen Eltern sorgeberechtigt, können sie auch freiwillig Teile der elterlichen Sorge auf die Pflegeeltern übertragen, um deren Handlungsspielraum zu erweitern. Auch hierfür ist ein Beschluss des Familiengerichts erforderlich. § 1630 BGB

E
Eingliederungshilfe

(1) Kinder oder Jugendliche haben Anspruch auf Eingliederungshilfe, wenn
1. ihre seelische Gesundheit mit hoher Wahrscheinlichkeit länger als sechs Monate von dem für ihr Lebensalter typischen Zustand abweicht, und
2. daher ihre Teilhabe am Leben in der Gesellschaft beeinträchtigt ist oder eine solche Beeinträchtigung zu erwarten ist.

Von einer seelischen Behinderung bedroht im Sinne dieses Buches sind Kinder oder Jugendliche, bei denen eine Beeinträchtigung ihrer Teilhabe am Leben in der Gesellschaft nach fachlicher Erkenntnis mit hoher Wahrscheinlichkeit zu erwarten ist. § 27 Abs. 4 gilt entsprechend.

(1a) Hinsichtlich der Abweichung der seelischen Gesundheit nach Absatz 1 Satz 1 Nr. 1 hat der Träger der öffentlichen Jugendhilfe die Stellungnahme
1. eines Arztes für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie,
2. eines Kinder- und Jugendpsychotherapeuten oder
3. eines Arztes oder eines psychologischen Psychotherapeuten, der über besondere Erfahrungen auf dem Gebiet seelischer Störungen bei Kindern und Jugendlichen verfügt,

einzuholen. Die Stellungnahme ist auf der Grundlage der Internationalen Klassifikation der Krankheiten in der vom Deutschen Institut für medizinische Dokumentation und Information herausgegebenen deutschen Fassung zu erstellen. Dabei ist auch darzulegen, ob die Abweichung Krankheitswert hat oder auf einer Krankheit beruht. Die Hilfe soll nicht von der Person oder dem Dienst oder der Einrichtung, der die Person angehört, die die Stellungnahme abgibt, erbracht werden.

(2) Die Hilfe wird nach dem Bedarf im Einzelfall
1. in ambulanter Form,
2. in Tageseinrichtungen für Kinder oder in anderen teilstationären Einrichtungen,
3. durch geeignete Pflegepersonen und
4. in Einrichtungen über Tag und Nacht sowie sonstigen Wohnformen geleistet.

(3) Aufgabe und Ziel der Hilfe, die Bestimmung des Personenkreises sowie die Art der Leistungen richten sich nach § 53 Abs. 3 und 4 Satz 1, den §§ 54, 56 und 57 des Zwölften Buches, soweit diese Bestimmungen auch auf seelisch behinderte oder von einer solchen Behinderung bedrohte Personen Anwendung finden.

(4) Ist gleichzeitig Hilfe zur Erziehung zu leisten, so sollen Einrichtungen, Dienste und Personen in Anspruch genommen werden, die geeignet sind, sowohl die Aufgaben der Eingliederungshilfe zu erfüllen als auch den erzieherischen Bedarf zu decken. Sind heilpädagogische Maßnahmen für Kinder, die noch nicht im schulpflichtigen Alter sind, in Tageseinrichtungen für Kinder zu gewähren und lässt der Hilfebedarf es zu, so sollen Einrichtungen in Anspruch genommen werden, in denen behinderte und nicht behinderte Kinder gemeinsam betreut werden.

Einzelvormund

Als Vormund soll eine Person ausgewählt werden, die nach ihren persönlichen Verhältnissen sowie nach den sonstigen Umständen zur Führung der Vormundschaft in der Lage ist (§ 1779 Abs. 2 BGB).Steht eine solche Person nicht zur Verfügung, kann das Jugendamt (§1791 b BGB) oder ein Verein mit der Führung der Vormundschaft beauftragt werden. Besteht eine Amtsvormundschaft, ist das Jugendamt gem. § 56 SGB VIII Führung der Beistandschaft, der Amtspflegschaft und der Amtsvormundschaft gesetzlich dazu verpflichtet, jährlich zu überprüfen, ob nun ein geeigneter Einzelvormund zur Verfügung steht und dies ggf. dem Gericht zu melden. Wird dem Gericht bekannt, dass eine geeignete Person zur Verfügung steht und dient die Einsetzung dieser Person als Einzelvormund dem Wohl des Kindes, hat das Gericht den Amtsvormund zu entlassen und einen Einzelvormund zu bestellen.(§ 1887 BGB).

Die Einzelvormundschaft ist somit vor der Amtsvormundschaft immer vorrangig. Denn vom Sinn der Vormundschaft her, ist ein Vertrauensverhältnis zwischen Kind und Vormund unabdingbar – schließlich entscheidet der Vormund in allen das Kind betreffenden grundsätzlichen Angelegenheiten und ist gehalten, diese Entscheidungen so zu treffen, dass sie zum Wohl des Kindes sind. Hierfür muss der Vormund das Kind kennen und regelmäßigen und vertrauten Kontakt zu ihm haben. Dies kann eine natürliche Person einfacher leisten, als der Vertreter einer Institution.

Pflegeeltern als Vormund für ihr Pflegekind

Pflegeeltern sind natürliche Personen. Sie leben mit dem Pflegekind zusammen und kennen es. Daher kommen sie grundsätzlich als Vormund in Betracht. Pflegekinder wünschen sich oft, dass ihre Pflegeeltern die „volle Entscheidungsgewalt“ haben, dass sie sie z.B. bei grundsätzlichen schulischen Belangen oder in allen gesundheitlichen Fragen vertreten können und hierzu keine „Erlaubnis“ benötigen. Dies kann das Vertrauen des Kindes in seine Pflegeeltern stärken.

Bei der Benennung eines Einzelvormundes hat das Vormundschaftsgericht zwei Fragen zu prüfen:
1. Kommt die Person als Vormund überhaupt in Betracht?
2. Kommt sie für dieses Kind in Betracht?

Die erste Frage ist bei Pflegeeltern grundsätzlich zu bejahen. Denn die Anforderungen, die an die Geeignetheit als Pflegeeltern gestellt werden, liegen höher als die Anforderungen, die eine Person als Vormund geeignet erscheinen lassen.

Bei der zweiten Frage hat das Gericht zu prüfen, ob Pflegeeltern für ihr Pflegekind Vormund werden können.
Diese Frage ist zu bejahen, wenn
· das Pflegekind bereits seit geraumer Zeit in der Pflegefamilie lebt und dort auf Dauer verbleiben soll,
· es keine besonderen Schwierigkeiten im Pflegeverhältnis gibt, die die Einsetzungen einer „neutralen“ Entscheidungsperson als Vormund (z.B. als „Puffer“ zwischen leiblichen und Pflegeeltern) sinnvoll erscheinen lassen,
· keine Interessenskonflikte der Pflegeeltern (in ihrer Doppelrolle Pflegeeltern-Vormund) zu erwarten sind und
· die Pflegeeltern zur Übernahme der Vormundschaft bereit sind.
Nicht von Bedeutung ist die Tatsache, dass der Amtsvormund seine Aufgabe möglicherweise bisher gut gemacht hat, denn auch in diesem Fall ist die Benennung einer geeigneten Person als Einzelvormund vorrangig.

Pflegeeltern können selber bei Gericht beantragen, anstelle eines Amtsvormundes als Einzelvormund für ihr Pflegekind eingesetzt zu werden. Das Gericht beteiligt dann das Jugendamt, die leiblichen Eltern, die Pflegeeltern und – je nach Alter angemessen – das Kind. In der Regel wird auch ein Verfahrenspfleger bestellt.

Haben die leiblichen Eltern noch das Sorgerecht, können sie oder die Pflegeeltern (mit Zustimmung der leiblichen Eltern) bei Gericht beantragen, dass das Sorgerecht oder Teile davon auf die Pflegeeltern übertragen werden.

Gemäß § 1775 BGB ist es auch möglich, beide Pflegeeltern (Ehepaar) gemeinschaftlich zu Vormündern oder Pflegern zu bestellen.

Pflegeeltern erhalten für das Führen der Vormundschaft auf Antrag eine jährliche pauschale Aufwandsentschädigung. Sind beide Pflegeeltern gemeinschaftlich als Vormund eingesetzt, können beide die Aufwandsentschädigung beantragen.

Auch Pflegeeltern sind verpflichtet, ihre Handlungen als Vormund am Wohl des Kindes auszurichten und gegenüber dem Gericht regelmäßig Bericht zu erstatten.

Sie haben gegenüber dem Gericht (§ 1837 BGB) und dem Jugendamt (§ 53 SGB VIII Beratung und Unterstützung von Pflegern und Vormündern) einen Anspruch auf Beratung.

Es ist auch möglich, dass das Gericht den Pflegeeltern nicht die gesamte Vormundschaft überträgt, sondern lediglich eine Pflegschaft und für im Pflegeverhältnis problematischere Bereiche (z.b. das Umgangsrecht oder die Vermögenssorge) einen Ergänzungspfleger bestellt.

Pflegeeltern, die Vormund für ihr Pflegekind werden, bleiben Pflegepersonen gem. § 33 SGB VIII Vollzeitpflege und haben weiterhin Anspruch sowohl auf Pflegegeld als auch auf Unterstützung und Beratung des Jugendamtes.

Andere Personen als Einzelvormund

Wenn Pflegeeltern nicht als Vormund in Betracht kommen, weil es z.B. zu einem Interessenkonflikt kommen könnte, kann auch einen andere neutrale Person zum Einzelvormund bestellt werden. Dies kann entweder eine Person aus dem Umfeld des Kindes oder aber eine dem Kind bisher noch unbekannte, mit der Problematik von Pflegekindern aber vertraute Person sein (z.B. ein Vertreter eines Verbandes, eine erfahrene Pflegemutter). Sowohl die Pflegeeltern als auch die Person selber können dem Gericht als in Frage kommender Vormund benannt werden, bzw. sich vorschlagen. Das Gericht hat dann zu prüfen (wie oben beschrieben).

Entzug der elterlichen Sorge

Das Sorgerecht bedeutet das Recht und die Pflicht, für ein Kind oder einen Jugendlichen zu sorgen (§1626 BGB). Dabei hat der Sorgeberechtigte seine Handlungen und Entscheidungen so zu gestalten, dass sie dem Wohl des Kindes entsprechen.
Sorgerecht ist ein Elterngrundrecht. Die Elterngrundrechte sind gem. Artikel 6 des Grundgesetzes besonders geschützt, in sie darf nur unter strengen Voraussetzungen eingegriffen werden.

Das Sorgerecht umfasst die Personensorge und die Vermögenssorge. Im Rahmen der Personensorge hat der Sorgeberechtigte sämtliche grundsätzliche das Kind betreffende Angelegenheiten zu entscheiden.

Ist das körperliche, seelische oder geistige Wohl eines Kindes gefährdet und sind die sorgeberechtigten Eltern nicht bereit oder in der Lage, dieser Kindeswohlgefährdung Einhalt zu gebieten, kann in das Sorgerecht eingegriffen werden. Hierfür bedarf es immer einer familiengerichtlichen Entscheidung.

Wird ein Antrag auf Entzug der elterlichen Sorge oder auf Entzug von Teilen der elterlichen Sorge gestellt, hat das Gericht zu prüfen, ob tatsächlich eine Kindeswohlgefährdung vorliegt und ob der Eingriff in das elterliche Sorgerecht wirklich notwendig ist oder ob der Kindeswohlgefährdung auch mit „milderen“ Mitteln begegnet werden kann. Im Falle eines Eingriffs in das Sorgerecht dürfen immer nur diejenigen Bereiche der elterlichen Sorge entzogen werden, deren Entzug für eine kindeswohlförderliche Entwicklung erforderlich ist. Das Familiengericht hat zudem in regelmäßigen Abständen zu überprüfen, ob der Entzug des Sorgerechtes noch gerechtfertigt ist (§ 1696 BGB) oder ob er aufgehoben werden kann.

Leibliche Eltern können noch das Sorgerecht für ihre in Pflegefamilien untergebrachten Kinder haben. Stimmen sie einer Entscheidung zur Unterbringung in einer Pflegefamilie zu und tragen diese Entscheidung mit, gibt es in der Regel zunächst keinen Grund, ihnen das Sorgerecht zu entziehen. Sind sie mit einer Unterbringung außerhalb der eigenen Familie nicht einverstanden, obwohl nach Einschätzung der Fachkräfte des Jugendamtes eine solche Hilfemaßnahme erforderlich ist, kann das Gericht – wenn es diese Einschätzung teilt – Teile des Sorgerechtes wie z.B. das Aufenthaltsbestimmungsrecht und das Recht, Anträge beim Ämtern und Behörden zu stellen, entziehen. Reicht ein solcher Entzug von Teilen des Sorgerechtes aus, um die erforderliche Hilfemaßnahme sicherzustellen, verbleiben die übrigen Anteile des Sorgerechtes bei den leiblichen Eltern. Sind die leiblichen Eltern nicht erreichbar oder widersprechen sie notwendigen Entscheidungen, können auch weitere Teile des Sorgerechtes (z.B. die Gesundheitsfürsorge oder die Vertretung in schulischen Angelegenheiten) oder das Sorgerecht insgesamt entzogen werden. Auch dauerhafte Gleichgültigkeit (z.B. wiederholt Nichtteilnahme an Hilfeplangesprächen) kann einen Sorgerechtsentzug rechtfertigen, da die Eltern damit ihrer Verpflichtung, das Sorgerecht auszuüben, nicht nachkommen.

Werden Teile des Sorgerechtes entzogen, wird für die Bereiche ein Pfleger eingesetzt. Wird das Sorgerecht insgesamt entzogen, erhält das Kind einen Vormund. Der Pfleger/Vormund übernimmt die Aufgaben des Sorgeberechtigten. Auch seine Entscheidungen müssen sich am Kindeswohl orientieren.

Lebt ein Kind dauerhaft in einer Pflegfamilie und wurden den leiblichen Eltern Teile des Sorgerechts oder das Sorgerecht insgesamt entzogen, können Pflegeeltern beantragen, als Pfleger bzw. Vormund für ihr Pflegekind eingesetzt zu werden.

F
FamFG-Gesetz über das Verfahren in Familiensachen und in den Angelegenheiten der freiwilligen Gerichtsbarkeit

Buch 1 Allgemeiner Teil (§§ 1110)

Buch 2 Verfahren in Familiensachen (§§ 111270)

Buch 3 Verfahren in Betreuungs- und Unterbringungssachen (§§ 271341)

Buch 4 Verfahren in Nachlass- und Teilungssachen (§§ 342373)

Buch 5 Verfahren in Registersachen, unternehmensrechtliche Verfahren (§§ 374409)

Buch 6 Verfahren in weiteren Angelegenheiten der freiwilligen Gerichtsbarkeit (§§ 410414)

Buch 7 Verfahren in Freiheitsentziehungssachen (§§ 415432)

Buch 8 Verfahren in Aufgebotssachen (§§ 433484)

Buch 9 Schlussvorschriften (§§ 485493)

FASD

Als fetale Alkoholspektrumstörungen, kurz FASD, bezeichnet man eine Gruppe irreversibler physischer und psychischer Geburtsdefekte, die bei Kindern auftreten können, deren Mütter während der Schwangerschaft Alkohol konsumiert haben.

Der Begriff „fetale Alkoholspektrumstörungen“ (FASD) ist ein Sammelbegriff für verschiedene durch intrauterine Alkoholexposition ausgelöste Veränderungen beim Kind. Die FASD beinhaltet das Vollbild der Ausprägungen, also das fetale Alkoholsyndrom (FAS) (früher häufig als Alkoholembryopathie bezeichnet), aber auch das partielle fetale Alkoholsyndrom (pFAS), die alkoholbedingten neurologischen Entwicklungsstörungen (ARND) und die alkoholbedingten Geburtsschäden (ARBD). Die Verwendung des Begriffes ARBD wird aktuell in Deutschland nicht empfohlen.

Die FASD-Prävalenz wird in Deutschland auf ca. 1 % geschätzt.[1] Jedes Jahr kommen in Deutschland ca. 4.000 bis 6.000 erkrankte Kinder auf die Welt, wobei das FAS ca. 10 % aller FASD-Fälle ausmacht. Damit tritt die FASD deutlich häufiger auf als das chromosomal bedingte Down-Syndrom.

Die Ursache ist immer und ausschließlich ein Alkoholkonsum der Mutter in der Schwangerschaft. Alkohol ist ein toxisch wirkender, kleinmolekularer Stoff, der die Plazentaschranke durchdringt, so dass das Ungeborene in kurzer Zeit über die Nabelschnur den gleichen Alkoholgehalt im Blut aufweist wie seine Mutter.

Der Organismus der Mutter baut den Alkohol zehn mal schneller ab als der Embryo (bis zur 9. Schwangerschaftswoche) oder der Fetus (ab der 9. Schwangerschaftswoche). In Abhängigkeit vom Reifestadium des Ungeborenen und der Alkoholmenge wirkt sich der Alkoholkonsum der Schwangeren irreversibel schädigend auf die körperliche, kognitive und soziale Entwicklung des Kindes aus. Durch den Alkohol kommt es u.a. zu Schädigungen der Purkinje-Zellen im embryonalen Kleinhirn.

Es gibt keine vorgeschriebene sichere Grenze der Alkoholmenge während der Schwangerschaft. Das Bundesministerium für Gesundheit rät deshalb schwangeren Frauen, ganz auf Alkohol zu verzichten. Ein Embryo hat keine und ein Fetus nur geringe eigene Möglichkeiten zum Abbau von Alkohol, da die dafür notwendigen Enzyme nur sehr begrenzt vorhanden sind. Das Enzym Alkoholdehydrogenase, das beim Alkoholabbau eine wichtige Rolle spielt, erreicht erst beim fünfjährigen Kind den Wert eines Erwachsenen.

FASD ist keine genetisch bedingte Störung ist, deshalb spielt der Alkoholkonsum des Vaters hinsichtlich der Entwicklungsstörungen keine Rolle. Im Idealfall sollte der Vater in Anwesenheit der werdenden Mutter aber ebenfalls auf Alkohol verzichten, um keine situativen Zielkonflikte zu erzeugen.

Die Ausprägungen der Symptome variieren stark. Besonders die neuro-psychologischen Veränderungen führen häufig zu schwerwiegenden Einschränkungen des Alltagslebens.

Prä- und postnatale Entwicklungsdefizite bzgl. Körpergröße (≤ 10. Perzentile) und Körpergewicht (≤ 10. Perzentile), sowie des BMI (≤ 10. Perzentile), jeweils angepasst an Gestationsalter, Alter, Geschlecht und nach Ausschluss anderer Ursachen.

Kraniofaziale Veränderungen

Zu diesen Auffälligkeiten zählen besonders die folgenden drei charakteristischen Merkmale:

  • kurze Lidspalten (≤ 3. Perzentile)
  • verstrichenes Philtrum (Rang 4/5 Lip-Philtrum-Guide)[2]
  • schmales Oberlippenrot (Rang 4/5 Lip-Philtrum-Guide)[2]

Zusätzlich können häufig eine kurze, flache Nase, Zahnanomalien, eine Gaumenspalte oder Ohrdysplasien beobachtet werden.

Quelle: Doc-Check

H
Heimerziehung

  • Hilfe zur Erziehung in einer Einrichtung über Tag und Nacht (Heimerziehung) oder in einer sonstigen betreuten Wohnform soll Kinder und Jugendliche durch eine Verbindung von Alltagserleben mit pädagogischen und therapeutischen Angeboten in ihrer Entwicklung fördern. Sie soll entsprechend dem Alter und Entwicklungsstand des Kindes oder des Jugendlichen sowie den Möglichkeiten der Verbesserung der Erziehungsbedingungen in der Herkunftsfamilie
1.eine Rückkehr in die Familie zu erreichen versuchen oder
2.die Erziehung in einer anderen Familie vorbereiten oder
3.eine auf längere Zeit angelegte Lebensform bieten und auf ein selbständiges Leben vorbereiten.

Jugendliche sollen in Fragen der Ausbildung und Beschäftigung sowie der allgemeinen Lebensführung beraten und unterstützt werden.

Hilfeplanung

Vor und während der Durchführung einer Hilfe zur Erziehung (§ 27 SGB VIII Hilfe zur Erziehung) ist es erforderlich, die Rahmenbedingungen und Ziele der Hilfe in einem Hilfeplanverfahren zu vereinbaren. Das Hilfeplanverfahren ist gesetzlich vorgeschrieben (§ 36 SGB VIII Mitwirkung, Hilfeplan).

An der Hilfeplanung beteiligt sind die Eltern und in altersangemessener Form das Kind/der Jugendliche, die zuständigen Fachkräfte des Jugendamtes, ggf. der Vormund/Pfleger, weitere an der Hilfe beteiligte Personen, z.B. Pflegeeltern oder Heimerzieher und Personen, die mit dem Kind befasst sind und deren Teilnahme notwendig erscheint (z.B. Therapeuten oder Lehrer).

Im Rahmen des Hilfeplanverfahrens werden das Ziel (was soll erreicht werden), die Mittel (wie soll es erreicht werden, wer ist daran zu beteiligen) und die voraussichtliche Dauer (in welcher Zeit soll das Ziel erreicht werden) besprochen. Dabei gilt es eine Vereinbarung zu finden, mit der sich alle Beteiligten einverstanden und zur Zusammenarbeit bereit erklären können. Dafür ist es erforderlich, dass die Fachkräfte alle Beteiligten über die zur Verfügung stehenden Hilfemöglichkeiten, die damit verbundeneren Rahmenbedingungen und Folgen zu informieren.

Die Vereinbarungen der Hilfeplanung werden protokolliert. Das Protokoll enthält
· die Namen, Adressen und Rollen der Beteiligten an den Hilfeplanungen
· eine genaue Angabe, um welche Art der Hilfe es sich handelt (rechtlicher Rahmen),
· eine Situationsbeschreibung
– bei der ersten Hilfeplanung: Ausgangssituation, die die Hilfe erforderlich macht
– bei der Fortschreibung: Veränderungen seit der letzten Hilfeplanung (haben die zunächst angestrebten Ziele noch Bestand? Ist die Hilfe überhaupt noch notwendig und wenn ja ist sie in der Art noch angemessen? Ist es die richtige Hilfe?),
· das angestrebte Ziel,
· den dafür erforderlichen Hilfebedarf,
· das vereinbarte Hilfeangebot mit Beschreibung, wer darin welche Rolle übernimmt oder Auflagen bekommt,
· evtl. Sondervereinbarungen (z.B. was passiert, wenn einer der Beteiligten die Hilfe abbricht),
· die voraussichtliche Dauer der Hilfe und
· die Dauer der Gültigkeit der Hilfeplanung.

Spätestens nach Ablauf der vereinbarten Dauer/Gültigkeit der Vereinbarung ist die Hilfeplanung fortzuschreiben. Fordert bereits früher einer der Beteiligten eine Hilfeplanung oder ändern sich die Rahmenbedingungen der Hilfe gravierend ist die Fortschreibung vorzuziehen.

I
Innenhaftpflicht

Pflegeeltern benötigen zur Vollständigkeit die so genannte Innenversicherung, damit Schäden innerhalb der Pflegefamilie versichert sind.

Zu den versicherten Personen zählen in der “normalen” Privat Haftpflicht Versicherung der Versicherungsnehmer, der Ehegatte und die Kinder. Pflegekinder werden wie leibliche Kinder behandelt. Es sind Personen-, Sach- und Vermögensschäden versichert, welche einem Drittem durch eine versicherte Person zugefügt werden. Schäden untereinander werden von dieser Versicherung nicht übernommen.

Was also, wenn Pflegeeltern den Pflegekindern oder Pflegekinder den Pflegeeltern einen Schaden zufügen?

Welche Versicherung zahlt bei Schäden zwischen Pflegeeltern und Pflegekindern?

Genau, die Innenhaftpflichtversicherung. Wie oben bereits erwähnt leistet die “normale” private Haftpflicht Versicherung bei Schäden zwischen Pflegeeltern und Pflegekindern nicht. Die zuständigen Jugendämter übernehmen teilweise Schäden zwischen Pflegeeltern und Pflegekindern und zahlen diese aus der Gemeindekasse.

Achtung: Die Jugendämter müssen keine Schäden übernehmen, welche die Pflegeeltern den Pflegekindern zugefügt haben. Dies entschied der Bundesgerichtshof bereits am 23.02.2006. mehr lesen

In vielen Fällen besteht über das Jugendamt auch eine spezielle Versicherung für Pflegeeltern. Doch Vorsicht, die Verträge weisen oft gravierende Versicherungslücken auf.

Für unter 60,-€ pro Jahr können Sie da finanzielle Risiko absichern. Wenn Sie wissen wollen, wie Sie die Binnenversicherung kostenfrei bekommen können, kontaktieren Sie mich bitte über unser Kontaktformular.

Inobhutnahme

  1. Das Jugendamt ist berechtigt und verpflichtet, ein Kind oder einen Jugendlichen in seine Obhut zu nehmen, wenn
a.das Kind oder der Jugendliche um Obhut bittet oder
b.eine dringende Gefahr für das Wohl des Kindes oder des Jugendlichen die Inobhutnahme erfordert und
1.die Personensorgeberechtigten nicht widersprechen oder
2.eine familiengerichtliche Entscheidung nicht rechtzeitig eingeholt werden kann oder
3.ein ausländisches Kind oder ein ausländischer Jugendlicher unbegleitet nach Deutschland kommt und sich weder Personensorge- noch Erziehungsberechtigte im Inland aufhalten.
  • Die Inobhutnahme umfasst die Befugnis, ein Kind oder einen Jugendlichen bei einer geeigneten Person, in einer geeigneten Einrichtung oder in einer sonstigen Wohnform vorläufig unterzubringen; im Fall von Satz 1 Nr. 2 auch ein Kind oder einen Jugendlichen von einer anderen Person wegzunehmen.

2.Das Jugendamt hat während der Inobhutnahme die Situation, die zur Inobhutnahme geführt hat, zusammen mit dem Kind oder dem Jugendlichen zu klären und Möglichkeiten der Hilfe und Unterstützung aufzuzeigen. Dem Kind oder dem Jugendlichen ist unverzüglich Gelegenheit zu geben, eine Person seines Vertrauens zu benachrichtigen. Das Jugendamt hat während der Inobhutnahme für das Wohl des Kindes oder des Jugendlichen zu sorgen und dabei den notwendigen Unterhalt und die Krankenhilfe sicherzustellen; § 39 Absatz 4 Satz 2 gilt entsprechend. Das Jugendamt ist während der Inobhutnahme berechtigt, alle Rechtshandlungen vorzunehmen, die zum Wohl des Kindes oder Jugendlichen notwendig sind; der mutmaßliche Wille der Personensorge- oder der Erziehungsberechtigten ist dabei angemessen zu berücksichtigen. 3,Das Jugendamt hat im Fall des Absatzes 1 Satz 1 Nr. 1 und 2 die Personensorge- oder Erziehungsberechtigten unverzüglich von der Inobhutnahme zu unterrichten und mit ihnen das Gefährdungsrisiko abzuschätzen. Widersprechen die Personensorge- oder Erziehungsberechtigten der Inobhutnahme, so hat das Jugendamt unverzüglich

1.das Kind oder den Jugendlichen den Personensorge- oder Erziehungsberechtigten zu übergeben, sofern nach der Einschätzung des Jugendamts eine Gefährdung des Kindeswohls nicht besteht oder die Personensorge- oder Erziehungsberechtigten bereit und in der Lage sind, die Gefährdung abzuwenden oder
2.eine Entscheidung des Familiengerichts über die erforderlichen Maßnahmen zum Wohl des Kindes oder des Jugendlichen herbeizuführen.

Sind die Personensorge- oder Erziehungsberechtigten nicht erreichbar, so gilt Satz 2 Nr. 2 entsprechend. Im Fall des Absatzes 1 Satz 1 Nr. 3 ist unverzüglich die Bestellung eines Vormunds oder Pflegers zu veranlassen. Widersprechen die Personensorgeberechtigten der Inobhutnahme nicht, so ist unverzüglich ein Hilfeplanverfahren zur Gewährung einer Hilfe einzuleiten. 4.Die Inobhutnahme endet mit

1.der Übergabe des Kindes oder Jugendlichen an die Personensorge- oder Erziehungsberechtigten,
2.der Entscheidung über die Gewährung von Hilfen nach dem Sozialgesetzbuch.

5.Freiheitsentziehende Maßnahmen im Rahmen der Inobhutnahme sind nur zulässig, wenn und soweit sie erforderlich sind, um eine Gefahr für Leib oder Leben des Kindes oder des Jugendlichen oder eine Gefahr für Leib oder Leben Dritter abzuwenden. Die Freiheitsentziehung ist ohne gerichtliche Entscheidung spätestens mit Ablauf des Tages nach ihrem Beginn zu beenden. 6.Ist bei der Inobhutnahme die Anwendung unmittelbaren Zwangs erforderlich, so sind die dazu befugten Stellen hinzuzuziehen.

K
Kindergeld

Gem. § 62 ff EStG in Verbindung mit § 32 EStG haben Pflegeeltern einen Anspruch auf Kindergeld für ihr Pflegekind, wenn

  • sie mit dem Kind durch ein „familienähnliches, auf längere Dauer berechnetes Band“ verbunden sind,
  • ein Obhutverhältnis zu den Eltern nicht mehr besteht (gelegentliche Besuchskontakte allein stehen dem nicht entgegen) und
  • sie die Pflege nicht zu Erwerbszwecken leisten.

Diese Voraussetzungen sind in der Dauerpflege gem. § 33 SGB VIII regelmäßig gegeben.

Das Pflegekind zählt „kindergeldrechtlich“ wie ein leibliches Kind der Pflegeeltern und wird in die Geschwisterfolge eingereiht. Dies ist bei der Berechnung der Höhe des Kindergeldes und der Anrechnung des Kindergeldbezuges auf das Pflegegeld von Bedeutung.

Kindergeldhöhe 2022 für das erste und zweite (Pflege-)Kind erhalten (Pflege-)Eltern monatlich je 219,- €, für das dritte Kind 225,- €, für das vierte und jedes weitere Kind je 250,- €.

Das Kindergeld für ein Pflegekind wird teilweise auf das Pflegegeld angerechnet.
Ist das Pflegekind das älteste in der Familie lebende Kind, für das Kindergeld bezogen wird, wird die Hälfte 50% anrechnet und das Pflegegeld um diesen Betrag gekürzt.
Erhalten die Pflegeeltern für das Pflegekind nicht das Erstkindergeld, erfolgt eine Anrechnung im Höhe von 25% des Erstkindergeldes.

Das Kindergeld wird monatlich ausgezahlt. Es ist bei der zuständigen Familienkasse zu beantragen.

Mit dem Bezug des Kindergeldes sind mögliche weitere Vergünstigungen wie Ortszuschläge, Baukindergeld und Behindertenfreibeträge verbunden.

Bereitschaftspflege-/ Kurzzeitpflegepersonen haben in der Regel keinen Anspruch auf Zahlung des Kindergeldes, weil die das Pflegekind von vorn herein zeitlich befristet in ihren Haushalt aufnehmen. Hier ist es dann jedoch nicht statthaft, anzurechnen und das Pflegegeld zu kürzen.

In Einzelfällen können jedoch auch Bereitschaftspflege-/ Kurzzeitpflegepersonen Kindergeld beantragen. Wenn das Pflegeverhältnis in einer Bereitschaftspflege/ Kurzzeitpflege gemessen am Alter des Kindes so lange andauert, dass die Pflegeperson zum Ersatzelternteil wird, ist auch hier ein Bezug von Kindergeld möglich (vgl. BFH-Urteil vom 07.09.1995).

Neben der kleinen Kindergelderhöhung um 2 Euro gab es für 2018 nur eine weitere Änderung beim Kindergeldantrag. Hier wurde die Antragsfrist für vergangene Zeiträume von vier Jahren auf sechs Monate reduziert. Das betrifft jedoch nur Anträge, die ab dem 01.01.2018 bei der Familienkasse eingehen. Es werden nur noch 6 Monate rückwirkend ausgezahlt.

Krankenversicherung

Pflegekinder können weiterhin bei ihren leiblichen Eltern krankenversichert sein. In diesem Fall bekommen die Pflegeeltern die Chipkarte ausgehändigt, um die erforderlichen Arztbesuche erledigen zu können.

Pflegekinder können auch über die Pflegeeltern krankenversichert werden.
Im Rahmen der Familienversicherung der gesetzlichen Krankenversicherungen entstehenden Pflegeeltern keine zusätzlichen Kosten.
Sind die Pflegeeltern privat versichert, kann das Jugendamt die Kosten übernehmen, wenn es die Mitversicherung in der privaten Krankenkasse möchte und die Beiträge angemessen sind.

Greifen diese beiden Möglichkeiten nicht, kann ein Pflegekind auch direkt über das Jugendamt versichert werden.

Gem. § 40 SGB VIII Krankenhilfe ist das Jugendamt verpflichtet, im Rahmen von Pflegeverhältnissen gem. §§ 33, 34, 35 und gem. § 35 a SBG VIII Krankenhilfe in der vollen Höhe des notwendigen Bedarfs zu leisten. Somit sind auch Zuzahlungen und Eigenbeteiligungen zu übernehmen.

N
Namensänderungsgesetz

§1 Der Familienname eines deutschen Staatsangehörigen oder eines Staatenlosen, der seinen Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt im Deutschen Reich hat, kann auf Antrag geändert werden.

§2 (1) Für eine beschränkt geschäftsfähige oder geschäftsunfähige Person stellt der gesetzliche Vertreter den Antrag; ein Vormund, Pfleger oder Betreuer bedarf hierzu der Genehmigung des Vormundschaftsgerichts. Für eine geschäftsfähige Person, für die in dieser Angelegenheit ein Betreuer bestellt und ein Einwilligungsvorbehalt nach § 1903 des Bürgerlichen Gesetzbuchs angeordnet ist, stellt der Betreuer den Antrag; er bedarf hierzu der Genehmigung des Vormundschaftsgerichts.
(2) Das Vormundschaftsgericht hat den Antragsteller in den Fällen des Absatzes 1 Satz 1, wenn er als beschränkt Geschäftsfähiger das sechzehnte Lebensjahr vollendet hat, sowie in den Fällen des Absatzes 1 Satz 2 zu dem Antrag zu hören.

§3 (1) Ein Familienname darf nur geändert werden, wenn ein wichtiger Grund die Änderung rechtfertigt.
(2) Die für die Entscheidung erheblichen Umstände sind von Amts wegen festzustellen; dabei sollen insbesondere außer den unmittelbar Beteiligten die zuständige Ortspolizeibehörde und solche Personen gehört werden, deren Rechte durch die Namensänderung berührt werden.

§3a (1) Ist ein deutscher Staatsangehöriger, der die deutsche Staatsangehörigkeit nach dem 1. Januar 1919 erworben hat, daran gehindert, seinen früheren Familiennamen oder Vornamen zu führen, weil ihm dies vor seiner Einbürgerung durch ein Gesetz oder eine Verwaltungsmaßnahme seines früheren Heimatstaates verboten war, so liegt ein wichtiger Grund zur Änderung im Sinne des § 3 Abs. 1 vor, wenn durch das Gesetz oder die Verwaltungsmaßnahme des früheren Heimatstaates überwiegend Angehörige einer deutschen Minderheit betroffen waren.
(2) Absatz 1 gilt auch für deutsche Staatsangehörige, auf die der frühere Name durch Ableitung übergegangen wäre.

§4 Die Änderung des Familiennamens erstreckt sich, soweit nicht bei der Entscheidung etwas anderes bestimmt wird, auf Kinder der Person, deren Name geändert wird, sofern die Kinder bislang den Namen dieser Person getragen haben und für die Kinder die elterliche Sorge dieser Person besteht.

§5 (1) 1Der Antrag auf Änderung eines Familiennamens ist schriftlich oder zu Protokoll bei der unteren Verwaltungsbehörde zu stellen, in deren Bezirk der Antragsteller seinen Wohnsitz oder beim Fehlen eines Wohnsitzes seinen Aufenthalt hat. Hat er im Deutschen Reich weder Wohnsitz noch Aufenthalt, so bestimmt der Reichsminister des Innern die zuständige Behörde.
(2) Beantragen mehrere Angehörige einer Familie dieselbe Namensänderung, so kann der Antrag bei jeder Behörde gestellt werden, die zur Entgegennahme auch nur eines Antrags zuständig ist.

§6 Zur Änderung eines Familiennamens ist die höhere Verwaltungsbehörde zuständig. 2. Der Reichsminister des Innern kann sich die Entscheidung vorbehalten.

§7

§8 (1) 1Ist zweifelhaft, welchen Familiennamen ein deutscher Staatsangehöriger oder ein Staatenloser, der seinen Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt im Deutschen Reich hat, zu führen berechtigt ist, so kann der Reichsminister des Innern diesen Namen auf Antrag eines Beteiligten oder von Amts wegen mit allgemein verbindlicher Wirkung feststellen. 2Die Vorschriften der § 2, § 3 Abs. 2, §§ 4 und 5 finden entsprechende Anwendung.
(2) Ist in einem auf Antrag eines Beteiligten eingeleiteten Verfahren die Entscheidung von der Beurteilung einer familienrechtlichen Vorfrage abhängig, so kann der Reichsminister des Innern das Verfahren auf Antrag oder von Amts wegen aussetzen und den Antragsteller zur Herbeiführung einer Entscheidung über diese Vorfrage auf den Rechtsweg verweisen.
(3) Hat ein gerichtliches Verfahren das Recht zur Führung eines Namens zum Gegenstand, so ist es auf Verlangen des Reichsministers des Innern auszusetzen, bis der Name nach Absatz 1 festgestellt ist.

Fußnote
§ 8 Abs. 1 Satz 1: Soweit Kursivdruck „mit allgemein …“ vgl. Art. 19 Abs. 4 GG (Zulässigkeit des Rechtsweges)
§ 8 Abs. 3: Soweit Kursivdruck vgl. Art. 20 Abs. 2 Satz 2 u. Abs. 3 GG (Trennung u. Unabhängigkeit der Gewalten)

§9 Die untere Verwaltungsbehörde veranlasst die Folgebeurkundung über die Namensänderung oder die Namensfeststellung im Geburtenregister und im Eheregister oder Lebenspartnerschaftsregister. 2Sie benachrichtigt die für die Wohnung, bei mehreren Wohnungen die für die Hauptwohnung des Betroffenen zuständige Meldebehörde von der Änderung oder Feststellung des Namens. 3Die Mitteilungen nach den Sätzen 1 und 2 bedürfen der Schriftform.

§10 Die §§ 1355, 1577, 1706, 1719, 1736, 1758 und 1772 des Bürgerlichen Gesetzbuchs bleiben unberührt.

§11 Die §§ 1 bis 3, § 5 … und § 9 finden auf die Änderung … von Vornamen mit der Maßgabe Anwendung, daß die Entscheidung der unteren Verwaltungsbehörde zusteht; die Beschwerde geht an die höhere Verwaltungsbehörde, die endgültig entscheidet.

Fußnote
§ 11 Halbsatz 2: Soweit Kursivdruck (Beschwerdeverfahren) gem. § 77 Abs. 1 VwGO ersetzt durch §§ 68ff. VwGO; vgl. Art. 19 Abs. 4 GG (Zulässigkeit des Rechtsweges)

§12

§13 Der Reichsminister des Innern erläßt die zur Durchführung … dieses Gesetzes erforderlichen Rechts- und Verwaltungsvorschriften.

§13a Die Landesregierungen werden ermächtigt, durch Rechtsverordnung die zuständigen Behörden abweichend von § 5 Abs. 1 Satz 1, §§ 6, 8, 9 und 11 zu bestimmen. 2Sie können diese Ermächtigung auf oberste Landesbehörden übertragen.

§14 Dieses Gesetz tritt mit Wirkung vom 1. Januar 1938 in Kraft.

O
Oertliche Zuständigkeit

  • §86.6 SGB VIII
  • 6) Lebt ein Kind oder ein Jugendlicher zwei Jahre bei einer Pflegeperson und ist sein Verbleib bei dieser Pflegeperson auf Dauer zu erwarten, so ist oder wird abweichend von den Absätzen 1 bis 5 der örtliche Träger zuständig, in dessen Bereich die Pflegeperson ihren gewöhnlichen Aufenthalt hat. Er hat die Eltern und, falls den Eltern die Personensorge nicht oder nur teilweise zusteht, den Personensorgeberechtigten über den Wechsel der Zuständigkeit zu unterrichten. Endet der Aufenthalt bei der Pflegeperson, so endet die Zuständigkeit nach Satz 1.

P
Pflegeerlaubnis

(1) Wer ein Kind oder einen Jugendlichen über Tag und Nacht in seinem Haushalt aufnehmen will (Pflegeperson), bedarf der Erlaubnis. Einer Erlaubnis bedarf nicht, wer ein Kind oder einen Jugendlichen

  • im Rahmen von Hilfe zur Erziehung oder von Eingliederungshilfe für seelisch behinderte Kinder und Jugendliche auf Grund einer Vermittlung durch das Jugendamt,
  • als Vormund oder Pfleger im Rahmen seines Wirkungskreises,als Verwandter oder Verschwägerter bis zum dritten Grad,
  • bis zur Dauer von acht Wochen,im Rahmen eines Schüler- oder Jugendaustausches,
  • in Adoptionspflege (§ 1744 des Bürgerlichen Gesetzbuchs)über Tag und Nacht aufnimmt.

(2) Die Erlaubnis ist zu versagen, wenn das Wohl des Kindes oder des Jugendlichen in der Pflegestelle nicht gewährleistet ist. § 72a Absatz 1 und 5 gilt entsprechend. (3) Das Jugendamt soll den Erfordernissen des Einzelfalls entsprechend an Ort und Stelle überprüfen, ob die Voraussetzungen für die Erteilung der Erlaubnis weiter bestehen. Ist das Wohl des Kindes oder des Jugendlichen in der Pflegestelle gefährdet und ist die Pflegeperson nicht bereit oder in der Lage, die Gefährdung abzuwenden, so ist die Erlaubnis zurückzunehmen oder zu widerrufen. (4) Wer ein Kind oder einen Jugendlichen in erlaubnispflichtige Familienpflege aufgenommen hat, hat das Jugendamt über wichtige Ereignisse zu unterrichten, die das Wohl des Kindes oder des Jugendlichen betreffen.

Pflegegeld

Pflegeeltern sind – unabhängig von der Höhe ihres eigenen Einkommens- ihrem Pflegekind gegenüber nicht zum Unterhalt verpflichtet.
Wird die Unterbringung eines Kindes in einer Pflegefamilie notwendig hat das Kind einen Anspruch auf Sicherung seiner Erziehung durch den Staat. Gem.
§ 90 SGB VIII Pauschalierte Kostenbeteiligung,
§ 91 SGB VIII Anwendungsbereich,
§ 92 SGB VIII Ausgestaltung der Heranziehung,
§ 93 SGB VIII Berechnung des Einkommens,
§ 94 SGB VIII Umfang der Heranziehung
haben sich der Minderjährige und dessen Eltern an den Kosten für die Vollzeitpflege nach ihren Möglichkeiten zu beteiligen.

Gemäß § 39 SGB VIII Leistungen zum Unterhalt des Kindes oder des Jugendlichen ist Pflegeeltern ein Pflegegeld zu zahlen. Es wird als monatlicher Pauschalbetrag gezahlt und gilt nicht als Einkommen der Pflegeeltern. Pflegeged kann bis zum 18. Lebensjahr des Kindes und auf Antrag und nach Einzelfallprüfung auch für junge Volljährige gezahlt werden.
Die Ausführung der Bestimmungen obliegt den Ländern und Gemeinden. Die zuständigen Landesbehörden legen die Höhe des Pflegegeldes fest. Das bedeutet, dass die Pflegegeldzahlungen in den einzelnen Bundesländern voneinander abweichen. Aber auch innerhalb eines Bundeslandes gibt es keinen einheitlich verbindlichen Pflegegeldsatz, da die Jugendämter die Möglichkeit haben, Beihilfen oder Zuschüssen (z.B. Urlaubsbeihilfe, Weihnachtsbeihilfe) pauschalisiert zu zahlen.

Das Pflegegeld setzt sich zusammen aus den Kosten für den Lebensunterhalt des Kindes und einem Betrag für den Erziehungsaufwand der Pflegeeltern. Aufgrund des altersbedingt unterschiedlichen Unterhaltsbedarfs von Kindern und Jugendlichen erfolgt eine Staffelung der Beträge nach Altersgruppen.

Die Kosten für den Lebensunterhalt sollen den gesamten regelmäßig wiederkehrenden Bedarf des Kindes abdecken (Ernährung, Kleidung, Unterkunfts- und Energiekosten, Schulbedarf, Körper- und Gesundheitspflege, Taschengeld).
Darüber hinaus können Pflegeeltern für „Sonderausgaben“ Zuschüsse und einmalige Beihilfen beantragen.

Der Beitrag für die Erziehungsleistung der Pflegeeltern kann im Einzelfall – z.B. bei heilpädagogischen Pflegestellen – mehrfach gezahlt werden.

Zuständig für die Auszahlung an die Pflegeeltern ist das Jugendamt an deren Wohnort, dass sich ggf. die Kosten von dem Jugendamt am Wohnort der Eltern erstatten lässt.

Ist das Pflegeverhältnis auf Dauer angelegt, können Pflegeeltern Kindergeld beantragen, dass anteilig auf das Pflegegeld angerechnet wird.

Zusätzlich haben seit dem 01.10.2005 Pflegeeltern auf Antrag einen Anspruch auf Erstattung der nachgewiesenen Kosten einer Unfallversicherung und der hälftigen Kosten einer angemessenen Altersvorsorge. Auch diese Leistungen sollen pauschalisiert monatlich gezahlt werden. Zuständig für diese Leistungen ist immer das Jugendamt am Wohnort der Pflegeeltern (auch wenn der Kostenträger für die Unterbringung des Kindes ein anderes Jugendamt ist).
In welcher Höhe diese Kosten übernommen werden, ob jede Pflegeperson einen entsprechenden Antrag stellen kann, ob sich die Anzahl der im Haushalt lebenden Pflegekinder auf die Höhe des Kostenerstattung auswirkt oder welche Form der Altersvorsorge als erstattungsfähig angesehen wird, ist von Jugendamt zu Jugendamt unterschiedlich.

Pfleger

Erfolgt durch das Familiengericht ein Eingriff in die elterlichen Sorgerechte, muss der Richter angemessen handeln. Er muss abwägen, welche Teile der elterlichen Sorge im Interesse des Kindeswohles entzogen werden müssen und welche bei den Eltern verbleiben können („so wenig wie möglich – so viel wie nötig“, §§ 1666, 1666 a BGB). Für die Bereiche der elterlichen Sorge, die entzogen werden, wird ein Pfleger, bzw. Vormund bestellt, der das Kind vertritt.

Was ist ein Pfleger?

Werden Teile des Sorgerechtes entzogen, wird für diese Bereiche ein Pfleger eingesetzt. Welche Entscheidungsbefugnisse dieser bekommt, ergibt sich aus dem Unfang des Sorgerechtsentzuges. Entzogen werden können, z.B.
· das Recht, den Aufenthalt des Kindes zu bestimmen (Aufenthaltsbestimmungspfleger),
· das Recht, über medizinische Fragen zu entscheiden (Pfleger für den medizinischen Bereich),
· das Recht, in schulischen Angelegenheiten zu entscheiden (Pfleger für den schulischen Bereich),
· das Recht, das Vermögen des Kindes zu verwalten (Vermögenspfleger) oder
· das Recht, in Fragen der Personensorge zu entscheiden Personensorgerechtspfleger).

Wird ein Pfleger bestellt, gibt es im Pflegeverhältnis drei „Parteien“, die Entscheidungen treffen:
1. Der Pfleger in Grundsatzentscheidungen in allen ihm vom Gericht übertragenen Bereichen.
2. Die leiblichen Eltern in Grundsatzentscheidungen in den ihnen verbleibenden Sorgerechtsbereichen.
3. Die Pflegeeltern in Alltagsentscheidungen.

Was ist ein Vormund?

Wird die gesamte elterliche Sorge (Personensorge und Vermögenssorge) entzogen, wird ein Vormund bestellt. Er vertritt das Kind in allen Entscheidungen, die seine Person und sein Vermögen betreffen. Die Pflegeeltern entscheiden in Alltagsdingen.

Der Vormund ist in die gesamte Hilfeplanung einzubeziehen und hat an allen Hilfeplangesprächen teilzunehmen. Als Personensorgberechtigter ist der Vormund eines Pflegekindes derjenige, der die Hilfe zur Erziehung gem. § 33 SGB VIII erhält. An ihn richten sich daher auch alle Bescheide über Art und Umfang der zu leistenden Hilfe.

Es ist möglich, dass das Gericht einen Gegenvormund bestellt (§ 1792 BGB), z.B. wenn das Kind über erhebliches Vermögen verfügt und der Vormund, dass mehrere Vormünder die Vormundschaft gemeinsam führen (§§ 1775, 1797 BGB) oder dass der Vormund für bestimmte Bereiche einen Pfleger zur Seite gestellt bekommt, wenn in diesen Bereichen ein Interessenskonflikt möglich ist (§ 1796 BGB).
Der Vormund ist dem Vormundschaftsgericht gegenüber zur Rechenschaft über die Führung der Vormundschaft verpflichtet und muss diesem mindestens einmal jährlich berichten (§ 1840 BGB). Für Schäden, die dem Kind aus einer Pflichtverletzung des Vormundes entstehen, haftet der Vormund (§ 1833 BGB).
Für einige, das Kind betreffende Rechtsgeschäfte (z.B. Ausschlagung einer Erbschaft, Abschluss eines Lehrvertrages, Antrag auf Namensänderung), benötigt der Vormund die Genehmigung des Vormundschaftsgerichts (§ 1822 BGB).

Unberührt von einem Sorgerechtsentzug bleiben das Umgangsrecht der leiblichen Eltern, das Recht auf religiöse Erziehung und das Recht zur Freigabe zur Adoption.
Der Umgang leiblicher Eltern mit dem Kind kann nur ausgeschlossen werden, wenn er eine Kindeswohlgefährdung bedeutet.
In Fragen der religiösen Erziehung sind die Eltern bis zur Religionsmündigkeit (14. Lebensjahr) des Kindes immer zu beteiligen (§ 1801 Abs. 2 BGB).

Wer kann Vormund werden?

Das BGB sieht als Vormund eine natürliche Person (Einzelvormund) vor. Dies kann ein Berufsvormund oder ein ehrenamtlicher Einzelvormund sein. Steht keine geeignete Einzelperson zur Verfügung, kann das Gericht einen Vereinsvormund (§ 1791 a BGB) oder einen Amtsvormund (§ 1791 b BGB) benennen.

Amtsvormund:
· Der Vormund haftet nicht persönlich, es haftet das Amt.
· Keine Vergütung durch das Vormundschaftsgericht.

Vereinsvormund:
· Der Vormund haftet nicht persönlich, es haftet der Verein.
· Keine Vergütung durch das Vormundschaftsgericht.

Berufsvormund:
· Der Vormund haftet persönlich.
· Er erhält eine Vergütung.

Ehrenamtlicher Vormund:
· Der Vormund haftet persönlich.
· Er erhält eine jährliche Aufwandsentschädigung.

Wurde durch das Gericht ein Amtsvormund bestellt, hat das Jugendamt jährlich zu prüfen, ob die Amtsvormundschaft in eine (vorrangig vorgesehene) Einzelvormundschaft umgewandelt werden kann und hat dem Gericht ggf. geeignete natürliche Personen vorzuschlagen. Eine solche geeignete Person können auch die Pflegeeltern sein.

Alle Ausführungen bezüglich der Führung einer Vormundschaft gelten auch für die Führung einer Pflegschaft (§ 1915 BGB).

PKD-Pflegekinderdienst

Zahlreiche Jugendämter und auch freie Träger der Jugendhilfe haben spezialisierte Pflegekinderdienste eingerichtet. Diese eigene Abteilung ermöglicht es, im Falle fremdplazierter Kinder eine Betreuung aller Beteiligten durch eigene Ansprechpartner (leibliche Eltern = ASD, Pflegeeltern = Pflegekinderdienst) sicher zu stellen. Die Fallverantwortlichkeit obliegt in diesen Fällen in der Regel in den ersten zwei Jahren dem ASD und nachfolgend, wenn eine langfristige Unterbringung des Kindes in der Pflegfamilie Ziel der Hilfe ist, dem Pflegekinderdienst.

Die Aufgabe des Pflegekinderdienstes sind
– Anwerbung, Überprüfung und Ausbildung neuer Pflegeeltern,
– Fortbildung von Pflegeeltern,
– Unterbringung von Kindern, die in Obhut genommen wurden sowie die Bereitstellung entsprechender Unterbringungsmöglichkeit,
– in Zusammenarbeit mit anderen beteiligten Stellen die Perspektivenklärung,
– Vermittlung von Kindern in geeignete Dauerpflegestellen,
– Begleitung und Beratung der Pflegefamilien bei der Erziehung von Pflegekindern,
– Beratung und Unterstützung der Pflegefamilie in wirtschaftlichen und rechtlichen Fragestellungen,
– Unterstützung bei der Kontaktpflege des Kindes zu seinen leiblichen Eltern,
– kontinuierliche Überprüfung des Verlaufs des Pflegeverhältnisses (bzgl. des Kindeswohls, der Umsetzung notwendiger Fördermaßnahmen und Therapien und der Entwicklung des Kindes) und
– Erstellung und Fortschreibung eines Hilfeplans (ggf. im Zusammenwirken mit anderen beteiligten Fachkräften).

Privathaftpflicht

Das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) ist die gesetzliche Grundlage für Schadensersatz, bzw. Haftungsansprüche.

Eine Haftpflichtversicherung prüft für die/den Versicherte(n), ob der Anspruchsteller im Recht ist und in welcher Höhe eine Verpflichtung zum Schadensersatz besteht. Bei zu Recht erhobenen Ansprüchen bezahlt die Versicherung den Schaden. Zu Unrecht erhobene Ansprüche werden von der Versicherung abgewehrt.

Liegt kein Haftungsanspruch laut BGB vor, zahlt also auch die Versicherung nicht. Kinder bis 7 Jahre sind nicht deliktfähig, danach bis zum 18. Lebensjahr nur beschränkt deliktfähig. Kinder unter 7 Jahren können damit für ihr Handeln nicht haftbar gemacht werden, ältere Kinder nur in soweit, wie sie Einsicht in ihr Handeln haben. Ist das Kind nicht haftbar zu machen, können gegebenenfalls die aufsichtspflichtigen Erwachsenen haftbar gemacht werden (Eltern, Babysitter, …), sofern sie ihre Aussichtspflicht verletzt haben. Sind sie ihrer Aufsichtspflicht nachgekommen, hat der Geschädigte Pech gehabt kein Anrecht auf Schadensersatz. Den Brand an seiner Scheune kann er nur durch seine eigene Feuerversicherung, die Beule im Auto nur durch seine Vollkaskoversicherung bezahlt bekommen. Moderne Familien-Haftpflichtversicherungen enthalten in der Regel eine Zusatzklausel, dass auf Wunsch des Versicherungsnehmers ein solcher Schaden bis zu einer vertraglich festgelegten Höhe trotz fehlendem Haftungsanspruch von der Privathaftpflichtversicherung übernommen wird. (Wenn mein Kind z.B. mit seinem Roller das Auto meines Vermieters beschädigt hat, wird der Vermieter wohl kaum einsehen, dass er seinen Schaden nicht bezahlt bekommt. Damit ich diesen Schaden trotzt eindeutig gegenteiliger Rechtslage nicht aus der eigenen Tasche zahlen muss, um den Hausfrieden wieder herzustellen, kann ich mit dieser Klausel den Schaden durch meine Haftpflichtversicherung gezahlt bekommen)

Pflegekinder können in der Regel in die Privathaftpflichtversicherung der Pflegeeltern beitragsfrei eingeschlossen werden. Dies sollte man aber im Einzelfall schriftlich mit dem Versicherungsunternehmen klären.

Eine gute Privathaftpflichtversicherung sichert auch Schäden ab, die ich beim gelegentlichen Hüten/Beaufsichtigen fremder Kinder dem Kind zufüge. Aber schon ein Nachbarkind, auf das ich regelmäßig einmal in der Woche für zwei Stunden aufpasse, ist kein gelegentliches Beaufsichtigen mehr. Dafür gibt es eine spezielle Haftpflichtversicherung für Tagesmütter. Für Pflegekinder gibt es eine solche Versicherung nicht, sie werden versicherungsrechtlich wie eigene Kinder behandelt.

Eine Privathaftpflichtversicherung sollte heute eine Versicherungssumme für Personenschäden von mindestens 3 Millionen Euro abdecken, besser mehr, so die Empfehlung von Verbraucherberatungsstellen.

Für Schäden, die das Pflegekind den Pflegeeltern zufügt, ist die Privathaftpflicht nicht zuständig (siehe oben: Schäden unter mitversicherten Personen). Hier kann nur eine entsprechende Regelungen des zuständigen Jugendamts oder eine entsprechende Versicherung für diese sogenannten Binnenschäden größere Härten abfangen. Es gibt auch Binnenhaftpflichtversicherungen, die direkt durch die Pflegeeltern abgeschlossen werden können. Eine solche Binnenhaftpflichtversicherung, die durch die Pflegeeltern als Zusatz zu ihrer Privathaftpflichtversicherung abgeschlossen werden kann, deckt auch Haftungsansprüche der Pflegekinder gegenüber den Pflegeeltern (Pflegepersonen) ab.

R
Regelbedarf

  • (1) Laufende Leistungen zum Lebensunterhalt außerhalb von Anstalten, Heimen und gleichartigen Einrichtungen werden nach Regelsätzen gewährt. Sie sind abweichend von den Regelsätzen zu bemessen, soweit dies nach der Besonderheit des Einzelfalles geboten ist.
  • (2) Die Landesregierungen setzen durch Rechtsverordnung zum 1. Juli eines Jahres die Höhe der Regelsätze im Rahmen der Rechtsverordnung nach Absatz 5 fest. Sie können dabei die Träger der Sozialhilfe ermächtigen, auf der Grundlage von in der Rechtsverordnung festgelegten Mindestregelsätzen regionale Regelsätze zu bestimmen.
  • (3) Die Regelsätze sind so zu bemessen, daß der laufende Bedarf dadurch gedeckt werden kann. Die Regelsatzbemessung hat Stand und Entwicklung von Nettoeinkommen, Verbraucherverhalten und Lebenshaltungskosten zu berücksichtigen. Grundlage sind die tatsächlichen, statistisch ermittelten Verbrauchsausgaben von Haushalten in unteren Einkommensgruppen. Datengrundlage ist die Einkommens- und Verbrauchsstichprobe. Die Bemessung ist zu überprüfen und gegebenenfalls weiterzuentwickeln, sobald die Ergebnisse einer neuen Einkommens- und Verbrauchsstichprobe vorliegen.
  • (4) Die Regelsatzbemessung hat zu gewährleisten, daß bei Haushaltsgemeinschaften von Ehepaaren mit drei Kindern die Regelsätze zusammen mit Durchschnittsbeträgen für Kosten von Unterkunft und Heizung sowie für einmalige Leistungen und unter Berücksichtigung des abzusetzenden Betrages nach § 76 Abs. 2a Nr. 1 unter den erzielten monatlichen durchschnittlichen Nettoarbeitsentgelten unterer Lohn- und Gehaltsgruppen einschließlich anteiliger einmaliger Zahlungen zuzüglich Kindergeld und Wohngeld in einer entsprechenden Haushaltsgemeinschaft mit einem alleinverdienenden Vollzeitbeschäftigten bleiben.
  • (5) Das Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung erläßt im Einvernehmen mit dem Bundesministerium der Finanzen mit Zustimmung des Bundesrates Vorschriften über Inhalt und Aufbau der Regelsätze sowie ihre Bemessung und Fortschreibung. Die Regelsatzverordnung kann einzelne laufende Leistungen von der Gewährung nach Regelsätzen ausnehmen und über ihre Gestaltung Näheres bestimmen.
  • (6) Zum 1. Juli 1999 und zum 1. Juli 2000 erhöhen sich die Regelsätze um den Vomhundertsatz, um den sich die Renten aus der gesetzlichen Rentenversicherung im Bundesgebiet ohne das in Artikel 1 Abs. 1 des Einigungsvertrages genannten Gebiet und ohne Berücksichtigung der Veränderung der Belastung bei Renten verändern.

Rückführung

Wenn sich Situation der leiblichen Familie eines Pflegekindes stabilisiert hat und nach Einschätzung der Fachkräfte die Erziehungsaufgabe dort wieder wahrgenommen werden kann, ist zu prüfen, ob eine Rückführung des Kindes zu seiner Herkunftsfamilie erfolgen kann.

Hierbei sind viele Faktoren zu berücksichtigen:

· Erfolgte die Stabilisierung in der Herkunftsfamilie innerhalb eines für das Kind vertretbaren Zeitraums?

Die Beantwortung dieser Frage darf nicht von dem Zeitempfinden der Erwachsenen ausgehen, sondern muss sich am kindlichen Zeitbegriff und dem kindlichen Zeitempfinden orientieren. Zu berücksichtigen sind dabei das konkrete Kindesalter und der Entwicklungsstand des Kindes.

· Reicht die Stabilisierung in der leiblichen Familie für die Rückführung tatsächlich aus?

Leibliche Eltern, deren Kind rückgeführt wird, erhalten in der Regel „nicht das gleiche Kind wie vor der Inobhutnahme“ zurück. Das Kind ist nicht nur älter geworden, es ist in der Pflegefamilie auch Bindungen eingegangen, hat dort Rituale erlebt und liebgewonnen, befindet sich in Fördermaßnahmen u.ä.
Wenn zu erwarten ist, dass das Kind nicht freudestrahlend zu den leiblichen Eltern zurückkehren, sondern sich wehren, die Pflegepersonen vermissen, Rituale der Pflegefamilie einfordern wird usw., muss bei den Eltern eine erhöhte Erziehungskompetenz vorliegen.
Sie müssen in der Lage sein, den Trennungsschmerz des Kindes aufzufangen und es in seiner Trauer zu begleiten. Sie dürfen die Zeit in der Pflegefamilie nicht einfach ausblenden, sondern müssen bereit sein, sie in der Biografie des Kindes zu akzeptieren. Sind für eine positive Entwicklung Fördermaßnahmen erforderlich, müssen die leiblichen Eltern bereit und in der Lage sein, diese zuverlässig fortzuführen. Eine „normale Stabilisierung“, bzw. durchschnittliche Erziehungskompetenz kann sich in diesen Fällen als nicht ausreichend für eine Rückführung erweisen.

· Wie sehen die Bindungen des Kindes aus?

Auch bei der Beantwortung dieser Frage sind viele Faktoren zu berücksichtigen.
Wie häufig haben Besuchskontakte stattgefunden und wie sind diese verlaufen? Ist während der Zeit der Unterbringung in der Pflegefamilie ein Eltern-Kind-Verhältnis zwischen leiblichen Eltern und Pflegekind erhalten geblieben? Welche Bindungen ist das Kind in der Pflegefamilie eingegangen? Welche Qualität haben diese Bindungen?

· Welche Hilfen sind nach einer Rückführung erforderlich und sind die leiblichen Eltern bereit, diese anzunehmen?

Denkbar ist eine Rückführung mit Auflagen, z.B. bei Einzug in eine Mutter-Kind-Einrichtung oder in Verbindung mit dem Einsatz einer Sozialpädagogischen Familienhilfe. In diesen Fällen müssen die leiblichen Eltern ernsthaft zur Annahme der gebotenen Hilfen bereit sein.

Wird die Rückführung eines Kindes vereinbart, sollte eine abrupte Trennung vermieden werden. Sie birgt immer die Gefahr einer seelischen Schädigung des Kindes.

Alle Beteiligten – insbesondere die Pflege- und die leiblichen Eltern – sollten im Interesse des Kindes zusammen arbeiten, um einen spannungsfreien und behutsamen Übergang vorzubereiten.
Hierbei sollten die leiblichen Eltern bereit sein, Tipps der Pflegepersonen im Umgang mit dem Kind und Informationen über die Entwicklung, über evtl. neue Vorlieben und Abneigungen, Rituale usw. anzunehmen. Pflegeeltern sollten ihrerseits natürlich bereit sein, diese Informationen weiterzugeben. Pflegeeltern und leibliche Eltern müssen dem Kind vermitteln, dass sie seine eventuelle Verwirrung und Trauer verstehen und akzeptieren und dem Kind jeweils aus ihrer Rolle heraus beistehen. Pflegeeltern sollten das Kind bei der Abnabelung von ihnen unterstützen, die leiblichen Eltern sollten nicht zu hohe Erwartungen an das Kind und seine „Rückkehrbereitschaft“ stellen, sondern ihm Zeit geben, sich wieder bei ihnen einzugewöhnen.

Nach der Rückführung eines Kindes steht den Pflegepersonen ein Umgangsrecht zu, sofern dies dem Kindeswohl dient (§ 1685 BGB).

Haben Pflegeeltern Zweifel, dass die o.a. Fragestellungen ausreichend geprüft wurden oder sind sie der Meinung, dass die Entscheidung bezüglich einer geplanten Rückführung eine Kindeswohlgefährdung darstellt (z.B. weil die Bindungen, die das Kind bei ihnen eingegangen ist und damit die Bedeutung eines Bindungsabbruchs nicht ausreichend berücksichtig wurde), haben sie die Möglichkeit, bei Gericht einen Antrag auf Verbleib gem. § 1632 Abs. 4 BGB zu stellen.

Eine Rückführung kann nicht nur für das Kind, sondern auch für die Pflegepersonen oder deren Familie persönlich sehr belastend oder gar traumatisierend sein. In diesen Fällen sollten sie sich nicht scheuen, Supervision oder therapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Sie kann über das Jugendamt erfolgen oder selbst organisiert werden.

S
Sorgerecht

Was regelt das Sorgerecht?

Neben dem Wunsch, für ein gemeinsames Kind da zu sein, haben Sie auch die Pflicht und das Recht, für ihr minderjähriges Kind zu sorgen. Das Sorgerecht umfasst alle wichtigen Angelegenheiten, die das weitere Leben Ihres Kindes betreffen. Dazu zählen zum Beispiel:

  • die Bestimmung des Namens
  • die Anmeldung in einer Kindertagesstätte oder Schule,
  • die Auswahl der Schule,
  • die Ausbildung,
  • die (religiöse) Erziehung,
  • das Aufenthaltsbestimmungsrecht,
  • das Umgangsrecht,
  • medizinische Eingriffe mit der Gefahr von erheblichen Komplikationen (Operationen oder sonstige schwerere Erkrankungen).

Normalerweise tragen beide Eltern die Sorge gemeinsam. Das Kindeswohl steht dabei immer im Mittelpunkt. Es besteht ein gemeinsames Sorgerecht,

  • wenn Sie zum Zeitpunkt der Geburt des Kindes miteinander verheiratet sind,
  • wenn Sie einander nach der Geburt heiraten,
  • wenn Sie erklären, dass Sie die Sorge gemeinsam übernehmen wollen (Sorgeerklärungen) oder
  • wenn das Familiengericht Ihnen die elterliche Sorge gemeinsam überträgt.

Manchmal ist es zum Wohle des Kindes besser, die elterliche Sorge auf nur einen Elternteil zu übertragen. Diese Entscheidung müssen Sie aber nicht alleine treffen. Sie haben Anspruch auf Beratung durch das zuständige Jugendamt, das Sie beim Entwickeln einer guten Regelung unterstützt. Diese Beratung bieten auch freie Träger der Jugendhilfe, etwa kirchliche oder gemeinnützige Einrichtungen, an. Mehr dazu finden Sie unter Unterstützung, Beratung und Beistand.

Wie bekommt man das Sorgerecht?

Wenn Sie nicht mit einander verheiratet sind und auch keine Sorgeerklärungen abgeben, dann hat die Mutter das elterliche Sorgerecht allein inne. Wenn Sie aber dennoch gemeinsam für Ihr Kind sorgen möchten, müssen Sie erklären, dass Sie die Sorge gemeinsam übernehmen wollen. Diese sogenannten Sorgeerklärungen müssen öffentlich beurkundet werden, zum Beispiel beim Jugendamt oder bei einem Notar. Sie können auch schon vor der Geburt abgegeben werden. Seit 2013 können Väter das gemeinsame Sorgerecht auch ohne die Zustimmung der Mutter beim Familiengericht beantragen und in einem neuen, vereinfachten Verfahren zugesprochen bekommen.

Das Familiengericht überträgt den Eltern die gemeinsame Sorge, wenn und soweit dies dem Kindeswohl nicht widerspricht. Wenn nichts gegen die Übertragung der gemeinsamen Sorge spricht, geht das Familiengericht davon aus, dass die gemeinsame elterliche Sorge zum Wohl des Kindes ist. Die Mutter kann zu einem Sorgerechtsantrag des Vaters mindestens innerhalb von sechs Wochen nach der Geburt des Kindes Stellung nehmen.

Kann man Vormund für das Kind des Partners werden?

In zwei Fällen können auch Stiefeltern die Vormundschaft für ihr Stiefkind beantragen:

  • wenn das Gericht entschieden hat, dass dem leiblichen Elternteil nicht das Sorgerecht übertragen wird,
  • oder wenn der leibliche Elternteil verstorben ist.

Das sorgeberechtigte leibliche Elternteil kann auch durch ein Testament festlegen, dass das Stiefelternteil als Vormund eingesetzt werden soll. In diesem Fall ist das Gericht normalerweise an die Festlegung gebunden.

Unter bestimmten Voraussetzungen kann eine Stiefkind-Adoption in Frage kommen. Dabei adoptiert ein Ehe- oder Lebenspartner das leibliche Kind seines Ehegatten. Hier finden weitere Informationen zum Thema Adoption.

Wer bekommt das Sorgerecht im Fall der Trennung?

Eltern steht auch nach einer Scheidung oder Trennung normalerweise das gemeinsame Sorgerecht zu. Sie müssen weiterhin alle wichtigen Angelegenheiten gemeinsam entscheiden. Mehr dazu finden Sie unter Entscheidungsbefugnisse.

Entscheidungsbefugnisse: Wer darf was entscheiden?

Die Entscheidungsbefugnisse sind im Bürgerlichen Gesetzbuch geregelt. Im Mittelpunkt steht das Wohl Ihres Kindes.

Zunächst ist die Art der Entscheidung wichtig: Es gibt alltägliche Entscheidungen und Angelegenheiten von erheblicher Bedeutung für Ihr Kind.

Zu den alltäglichen Entscheidungen gehören zum Beispiel:

  • Schulalltag,
  • Essensfragen,
  • Bestimmung der Schlafenszeit,
  • Fernsehkonsum,
  • Umgang mit Freunden der Kinder,
  • gewöhnliche medizinische Versorgung (Kinderkrankheiten, Behandlungen bei leichteren Verletzungen, Zahnbehandlungen),
  • Taschengeld und
  • die Verwaltung kleinerer Geldgeschenke.

Zu den Angelegenheiten von erheblicher Bedeutung gehören zum Beispiel:

  • die Anmeldung in einer Kindertagesstätte oder Schule,
  • die Auswahl der Schule,
  • die Ausbildung,
  • die religiöse Erziehung,
  • das Aufenthaltsbestimmungsrecht,
  • medizinische Eingriffe mit der Gefahr von erheblichen Komplikationen (Operationen oder sonstige schwerere Erkrankungen).

Alltägliche Entscheidungen können Sie – unabhängig vom Sorgerecht – immer alleine treffen, wenn Sie Umgang mit Ihrem Kind haben. Was Sie in Angelegenheiten von erheblicher Bedeutung alleine entscheiden dürfen, hängt davon ab, ob Sie ein gemeinsames Sorgerecht für das Kind haben oder nur ein Elternteil allein das Sorgerecht hat.

Gemeinsames Sorgerecht:

Wenn ein gemeinsames Sorgerecht vorliegt, müssen Sie alle Angelegenheiten von erheblicher Bedeutung mit dem anderen Elternteil gemeinsam entscheiden.

Alleiniges Sorgerecht:

Wenn Sie das alleinige Sorgerecht ausüben, können Sie normalerweise über alle Angelegenheiten von erheblicher Bedeutung selbst entscheiden.

SPZ-Sozialpädiatrische Zentren

In Deutschland gibt 135 Sozialpädiatrische Zentren ( SPZ ). Sie sind interdisziplinär arbeitende spezialisierte Einrichtungen der ambulanten Krankenversorgung von Kindern und Jugendlichen, die von Entwicklungsstörungen betroffen oder bedroht sind. Häufig sind sie bei Unikliniken oder Kinderkliniken angesiedelt.

Aufgabe von Sozialpädiatrischen Zentren ist die Diagnostik, Beratung und Therapie bei (drohenden) Entwicklungsstörungen, drohenden oder manifestierten Behinderungen und bei seelischen und Verhaltensstörungen, die die diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten anderer Stellen übersteigt, somit bei:
• Psychologischen Störungsbildern: Verhaltensauffälligkeiten, hyperkinetische Störungen, Störungen des Sozialverhaltens, psychosomatische Symptome…
• Neuropädiatrischen Krankheiten: umfassende Entwicklungsstörungen, Bewegungsstörungen, Epilepsien, chronische Kopfschmerzen, Muskelerkrankungen, Spina bifida / Hydrocephalus…
• Entwicklungsstörungen: Teilleistungsstörungen, Aufmerksamkeitsstörungen, Wahrnehmungsstörungen, Sprachstörungen, Lernstörungen, Mund-Eßstörungen, Folgen chronischer Erkrankungen, Begleitung nach Früh- oder Risikogeburten…
• Störungen des sozialen und familiären Umfeldes: (familiäre) Interaktionsstörungen, Vernachlässigung, Misshandlung, sexueller Missbrauch
• Geistigen Behinderungen
• Mehrfachbehinderungen

Diese Aufgaben werden in einem SPZ von einem interdisziplinären Team wahrgenommen, dem Fachkräfte aus dem medizinischen, psychologischen, pädagogischen, therapeutischen und sozialen Bereich angehören. Sozialpädiatrische Zentren arbeiten eng mit der Familie eines betroffenen Kindes oder Jugendlichen, mit niedergelassenen Ärzten und Therapeuten und Fördereinrichtungen des Gesundheitswesens zusammen. Viele Sozialpädiatrische Zentren haben sich auf die Diagnostik und Therapie bestimmter Krankheitsbilder spezialisiert.

Die Betreuung im SPZ kann zeitlich begrenzt (z.B. zur reinen Diagnosestellung) oder langfristig angelegt sein.

Sozialpädiatrische Zentren arbeiten ausschließlich auf Überweisung der niedergelassenen Vertragsärzte. Der behandelnde niedergelassene Arzt des Kindes (in der Regel der Kinderarzt) entscheidet, ob eine Vorstellung in einem SPZ erforderlich ist. Er ist daher erster Ansprechpartner für (Pflege-)Eltern, die bei ihrem (Pflege-)Kind der Meinung sind, dass eine spezialisierte Diagnostik erforderlich ist.

T
Testamente für Pflegekinder

Für viele Pflegeeltern ist es selbstverständlich, dass sie ihre Pflegekinder ebenso gut absichern möchten, wie ein leibliches Kind, auch in finanzieller Hinsicht. Für die Zeit nach dem Tode von Pflegeeltern bietet sich hier natürlich vor allem eine Erbeinsetzung an. Hierbei müssen Pflegeeltern jedoch – im Vergleich zu leiblichen Eltern oder Adoptiveltern – einige Besonderheiten beachten.

Grundsätzlich gilt, dass Pflegekinder mit ihren Pflegeeltern nicht verwandt sind. Daher besteht kein gesetzliches Erbrecht. Das heißt, Pflegekinder haben keinen Erbanspruch gegen ihre Pflegeeltern und damit auch keinen Pflichtteilsanspruch nach dem Gesetz. Selbstverständlich können Pflegeeltern diese Rechtslage jedoch durch ein Testament oder einen Erbvertrag ändern. Ein Erbvertrag muss notariell beurkundet werden, ein Testament jedoch können Pflegeeltern selbst errichten. Unbedingt darauf zu achten ist, dass ein Testament nur wirksam ist, wenn es handschriftlich errichtet wurde, datiert und unterschrieben ist. Zusätzlich empfiehlt es sich, auch anzugeben, an welchem Ort das Testament niedergeschrieben wurde. Die Unterschrift soll Vornamen und Familiennamen enthalten. Generell gilt, dass bei Abfassung des Testamentes auf möglichst große Klarheit zu achten ist. Denn unterschiedliche Auslegungsmöglichkeiten führen regelmäßig zu Streit und ggf. Anfechtung eines Testamentes. Daher empfiehlt sich im Zweifelsfalle die Einholung eines fachlichen Rates vor Abfassung eines Testamentes.

Schutz vor Zugriff auf das Erbe durch leibliche Eltern
Bei der Einsetzung von Pflegekindern als Erben ist abzuklären, wer für das Kind das Sorgerecht, insbesondere die Vermögenssorge inne hat. Denn bis zur Volljährigkeit steht jedes Kind unter elterlicher Sorge. Der Sorgerechtsinhaber übt diese entsprechend aus und müsste das Erbe für das Kind bis zur Volljährigkeit entsprechend verwalten. Hier ist unbedingt zu bedenken ob Missbrauchsgefahren denkbar sind. Liegt das Sorgerecht etwa noch bei der Herkunftsfamilie und bestehen Zweifel, dass ein etwaiges Erbe ordnungsgemäß verwaltet wird, so empfehlen sich entsprechende Vorkehrungen.

Eine Möglichkeit besteht darin, im Testament Testamentsvollstreckung bis zu einem bestimmten Alter des Kindes anzuordnen. Der Testamentsvollstrecker würde dann das ererbte Vermögen im Sinne des Kindes verwalten und anlegen müssen, andere Personen hätten keinen Zugriff hierauf. Ergänzend empfiehlt es sich, im Testament ausdrücklich etwa die Herkunftseltern von der Vermögensverwaltung auszuschließen, wenn hier Risiken gesehen werden. Dies gestattet die Vorschrift § 1638 BGB, Beschränkung der Vermögenssorge.

Die Vorschrift lautet:

(1) Die Vermögenssorge erstreckt sich nicht auf das Vermögen, welche das Kind von Todes wegen erwirbt oder welches ihm unter Lebenden unentgeltlich zugewendet wird, wenn der Erblasser durch letztwillige Verfügung, der Zuwendende bei der Zuwendung bestimmt hat, dass die Eltern das Vermögen nicht verwalten sollen.

Schutz vor staatlichem Zugriff auf das Erbe
Bei Errichtung eines Testamentes für Pflegekinder sollte ferner bedacht und geprüft werden, wie die Gefahr vermieden werden kann, dass der Staat Zugriff auf das ererbte Vermögen des Kindes nehmen kann. Ist es etwa erforderlich, dass ein Kind nach dem Erbfall staatliche Leistungen in Anspruch nimmt, dann wird regelmäßig geprüft, ob bei dem Kind Einkommen oder Vermögen vorhanden ist. Ist das der Fall, kann und wird der Sozialhilfeträger versuchen, hierauf zuzugreifen. So bestimmt etwa § 94 Abs. 6 SGB VIII, dass junge Volljährige auch aus ihrem Vermögen herangezogen werden können, wenn sie etwa Hilfen zur Erziehung oder andere Jugendhilfeleistungen erhalten. Insbesondere behinderte Pflegekinder etwa werden möglicherweise ihr ganzes Leben lang auf Leistungen der Sozialhilfe angewiesen sein. Wollen Pflegeeltern ihr Kind so absichern, dass das Vermögen auch tatsächlich dem Kind zukommt, müssen entsprechende Vorkehrungen getroffen werden. In der Praxis hat sich hierbei die Errichtung eines Testamentes in Anlehnung an die sogenannten „Behinderten-Testamente“ bewährt.
In der üblichen Gestaltung setzen dabei Pflegeeltern ihr behindertes (Pflege)Kind zum Vorerben ein und bestimmen zugleich eines ihrer nicht behinderten Kinder oder aber einen Dritten zum sogenannten Nacherben. Zudem wird häufig eine Testamentsvollstreckung durch die zum Nacherben bestimmte Person angeordnet. Dann ist das (behinderte) Kind zwar zum Vorerben berufen. Die Verfügungsmacht über den Nachlass jedoch liegt bereits beim Testamentsvollstrecker und damit bereits beim Nacherben.

Durch diese Gestaltung kann zum einen zunächst die sozialhilferechtliche Erbenhaftung ausgeschlossen werden, demzufolge der Erbe eines Hilfeempfängers zum Ersatz der Kosten der Sozialhilfe für den Zeitraum der vergangenen 10 Jahre verpflichtet ist und der zu einer unmittelbaren eigenständigen Haftung des Erben gegenüber dem Träger der Sozialhilfe führt. Hierdurch können etwaige spätere Kinder eines Pflegekindes geschützt werden.

Ist absehbar, dass ein (behindertes) Kind lebenslang auf Sozialhilfeleistungen angewiesen ist, ist es empfehlenswert, eine Testamentsvollstreckung in Form einer lebenslangen Verwaltungsvollstreckung anzuordnen. Auf diese Weise wird dem (behinderten) Kind ein ererbtes Vermögen in vollem Umfange entzogen. Hierdurch wird ein Zugriff des Sozialhilfeträgers ausgeschlossen. Der Testamentsvollstrecker kann aus der Erbmasse dem Kind sodann Vorteile gewähren, etwa Geld auszahlen, Anschaffungen tätigen usw., soweit diese nicht auf die Sozialhilfe angerechnet werden können.

Alternativ kann auch eine testamentarische Regelung gewährt werden, bei welcher ein (behindertes) Pflegekind mit einem sogenannten Vermächtnis bedacht wird. Bei dieser Variante wird das Pflegekind also nicht Erbe. Als Erbe werden andere Personen eingesetzt, etwa der überlebende Ehegatte und andere Kinder oder auch eine dritte Person. Das behinderte Pflegekind wird im Testament jedoch mit einem sogenannten Vermächtnis bedacht, d.h., es erhält von den Erben entsprechende Zuwendungen.

Beide Varianten haben jeweils Vor- und Nachteile, welche es sorgfältig abzuwägen gilt.

Zusammenfassend sollte also zunächst genau geprüft werden, welche Art der Absicherung gewünscht ist und ob dieser Zweck gefährdet sein könnte, sei es durch eine unerwünschte Vermögensverwaltung von sorgeberechtigten Eltern, sei es durch einen bereits jetzt absehbaren staatlichen Zugriff im Falle einer Hilfegewährung. Sollten derartige Gefährdungsmomente gegeben sein, empfiehlt es sich unbedingt, hiergegen Vorkehrungen zu treffen. Die einzelnen Möglichkeiten können hier nur angerissen werden. Es bedarf jeweils einer sorgfältigen Prüfung im Einzelfall, welche testamentarische Gestaltung die günstigste ist.

U
Umgangsrecht

Seit der Novellierung des Kindschaftsrechts zum 01.07.1998 haben gem. § 1685 Abs. 2 BGB auch „enge Bezugspersonen des Kindes, wenn diese für das Kind tatsächliche Verantwortung tragen oder getragen haben (sozial-familiäre Beziehung)“, ein Umgangsrecht.

Hierunter sind nach geltender Rechtsauffassung auch ausdrücklich Pflegeeltern zu verstehen, wenn ein Pflegekind für längere Zeit bei ihnen in Familienpflege gelebt hat und für das Kind wichtige Bindungen entstanden sind. Sie haben nach Beendigung eines Pflegeverhältnisses ein Umgangsrecht, wenn dies dem Wohl des Kindes dient.
Letztlich steht dieser Umgang auch dem Kind zu, da es ein Anrecht darauf hat, dass seine schützenswerten Bindungen erhalten bleiben.

Bei der Ausgestaltung des Umgangs sind, nach Möglichkeit und gemessen am Alter und der Entwicklung des Kindes, seine Wünsche zu berücksichtigen.

Dieser gesetzliche Anspruch kann von Pflegeeltern häufig nur schwer umgesetzt werden. Wird ein Kind in die leibliche Familie zurückgeführt, überwiegt dort oft der Wunsch, die Zeit, in der das Kind nicht in der Familie gelebt hat, „auszublenden“ und keinen Umgang zuzulassen. Auch bei einer Beendigung des Pflegeverhältnisses zugunsten einer Heimunterbringung neigen Einrichtungen immer wieder dazu, die Position der Pflegeeltern unterzubewerten und den Umgang als eher unwichtig oder gar contraindiziert einzuschätzen.

Erster Ansprechpartner zur Konfliktlösung ist das Jugendamt. Das Jugendamt steht hier jedoch auch häufig außen vor, denn das Recht, den Umgang des Kindes zu gestalten, obliegt dem Sorgeberechtigten (im Falle der Rückführung also in der Regel den leiblichen Eltern, im Falle einer Heimunterbringung häufig einem Vormund). Hier kann das Jugendamt zunächst nur versuchen, zu vermitteln. Theoretisch denkbar wäre, dass das Jugendamt – wenn es den Umgangswunsch der bisherigen Pflegepersonen unterstützt – bei Gericht den Antrag stellt, dem Sorgeberechtigten/Vormund das Recht zur Ausgestaltung des Umgangs zu entziehen, in der Praxis erfolgt dies jedoch höchst selten.

In diesen Fällen bleibt den Pflegeeltern dann nur, ihr Umgangsrecht einzuklagen.

In einem solchen gerichtlichen Verfahren wird der Richter einen Verfahrenspfleger (Anwalt des Kindes) für das Kind bestellen und ggf. ein Gutachten zur Qualität der Bindungen an die Pflegepersonen und die Angemessenheit eines Umgangs über das Pflegeverhältnis hinaus in Auftrag geben.

V
Verfahrenspfleger

Was ist ein Verfahrenspfleger?

Gem. § 50 Abs. 2 FGG ist bei familienrechtlichen Verfahren ein Verfahrenspfleger (Anwalt des Kindes) einzusetzen, wenn
1. das Interesse des Kindes zu dem seiner gesetzlichen Vertreter in erheblichem Gegensatz steht,
2. Gegenstand des Verfahrens Maßnahmen wegen Gefährdung des Kindeswohls sind, mit denen die Trennung des Kindes von seiner Familie oder die Entziehung der gesamten Personensorge verbunden ist (§§ 1666, 1666a des BGB) oder
3. Gegenstand des Verfahrens die Wegnahme des Kindes von der Pflegeperson (§ 1632 Abs. 4 BGB) oder von dem Ehegatten oder Umgangsberechtigten (§ 1682 BGB) ist.

Auch in Verfahren der Umgangsregelung (zu leiblichen Eltern oder anderen Bezugspersonen) kann ein Verfahrenspfleger eingesetzt werden.

Aufgabe eines Verfahrenspflegers ist es, als „Anwalt des Kindes“ die Rechtsposition des Kindes zu stärken und so zu verhindern, dass in dem „Rechtsstreit der Erwachsenen“ die Interessen des minderjährigen Kindes nachrangig werden und es zum Verfahrensobjekt in der Auseinandersetzung der Erwachsenen wird. Er hat – unter altersgemäßer Einbeziehung des Kindes, der erwachsenen Verfahrensbeteiligten und der gesamten Situation – die Wünsche des Kindes zu ermitteln, auf ihre Umsetzbarkeit zu überprüfen und – soweit möglich – vor Gericht zu vertreten. Er hat dem Kind die Bedeutung des gerichtlichen Verfahrens altersgemäß zu erklären und es durch das Verfahren zu begleiten.

Welche Qualifizierung hat ein Verfahrenspfleger?

Theoretisch kann jeder Verfahrenspfleger sein, eine besondere Ausbildung ist nicht zwingend vorgeschrieben.
Es gibt jedoch Zusatzausbildungen für Verfahrenspfleger.

Häufig werden von Gericht Rechtsanwälte ohne entsprechende Zusatzausbildung zum Verfahrenspfleger bestellt. Da es aber nicht darum geht, das Kind rein rechtlich zu vertreten (die gesetzlichen Grundlagen und formaljuristischen Aspekte werden im Verfahren bereits durch das Gericht und die erwachsenen Verfahrenbeteiligten bzw. deren Rechtsanwälte ausreichend berücksichtigt), sondern vielmehr darum, einfühlsam auf das minderjährige Kind einzugehen, seine Wünsche und Interessen zu ermitteln und gesamtfamiliäre Zusammenhänge zu erkennen und auszuwerten, empfiehlt es sich darauf hinzuwirken, dass eine qualifizierte Fachkraft (Psychologe, Sozialpädagoge, Familientherapeut, Rechtsanwalt oder eine andere interessierte Person) mit entsprechender Zusatzausbildung bestellt wird.

Welche Stellung hat der Verfahrenspfleger im gerichtlichen Verfahren?

Der Verfahrenspfleger wird durch den für das Verfahren zuständigen Richter bestellt. Die Bestellung kann von allen Verfahrensbeteiligten, aber auch außenstehenden Personen (wie z.B. Therapeuten) angeregt werden, sie können auch konkrete Personen namentlich vorschlagen.

Der Verfahrenspfleger hat im Verfahren ein eigenes Antrags- und Beschwerderecht.

Verwandtenpflege

Verwandte sind: Großeltern, Onkel und Tanten, Geschwister, Neffen und Nichten §1589 BGB sowie verschwägerte Verwandte (§1590 BGB) Ein Verwandtenpflegeverhältnis kann ohne das Zutun eines Jugendamtes, sozusagen als Bestimmung des Aufenthaltes des Kindes durch die Erziehungsberechtigten zu Stande kommen. In vielen anderen Fällen stellen die Erziehungsberechtigten einen Antrag auf Hilfe zur Erziehung und entscheiden sich, wenn dem Antrag statt gegeben wird, im Verlauf des Beratungsprozesses im Jugendamt für die Verwandtenpflege. Hier greifen explizit die Bestimmungen des § 27 KJHG (Hilfe zur Erziehung) § 33 KJHG (Vollzeitpflege) § 36 KJHG und §37 KJHG (Hilfeplan und Zusammenarbeit bei Hilfen außerhalb der eigenen Familie). Auch von verwandten Pflegeeltern ist, wenn die Pflege als Hilfe zur Erziehung angelegt ist, eine gewissen Qualifikation und ein besonderes Profil zu erwarten. Sie haben genau wie alle anderen Pflegeeltern auch ein Recht auf Begleitung und Unterstützung, egal ob sie Hilfe zur Erziehung leisten oder nicht. Einen Anspruch auf Pflegegeld (im Sinne des § 39 KJHG) haben Verwandte nur dann, wenn die Pflege aufgrund eines Antrages auf Hilfe zur Erziehung besteht und sie nicht bereit sind, die Hilfe im Rahmen einer Unterhaltspflicht zu leisten. In den anderen Fällen erfolgt die finanzielle Unterstützung nach dem Bundessozialhilfegesetz (§ 22 BSHG) Regelbedarf.

Volljährige Pflegekinder

  1. Einem jungen Volljährigen soll Hilfe für die Persönlichkeitsentwicklung und zu einer eigenverantwortlichen Lebensführung gewährt werden, wenn und solange die Hilfe aufgrund der individuellen Situation des jungen Menschen notwendig ist. Die Hilfe wird in der Regel nur bis zur Vollendung des 21. Lebensjahres gewährt; in begründeten Einzelfällen soll sie für einen begrenzten Zeitraum darüber hinaus fortgesetzt werden.
  2. Für die Ausgestaltung der Hilfe gelten § 27 Abs. 3 und 4 sowie die §§ 28 bis 30, 33 bis 36, 39 und 40 entsprechend mit der Maßgabe, dass an die Stelle des Personensorgeberechtigten oder des Kindes oder des Jugendlichen der junge Volljährige tritt.
  3. Der junge Volljährige soll auch nach Beendigung der Hilfe bei der Verselbständigung im notwendigen Umfang beraten und unterstützt werden.

Vollmacht

Pflegeeltern können sich von den leiblichen Eltern oder vom Vormund ihres Pflegekindes eine Vollmacht unterzeichnen lassen, in der die Entscheidungsbefugnisse, die ihnen gem. § 1688 Abs. 1 BGB zugestanden werden (Alltagsentscheidungen), ausgeweitet werden.
Denkbar ist, dass die leiblichen Eltern / der Vormund im Rahmen dieser Vollmacht den Pflegeeltern gestatten, das Kind in der Schule anzumelden, Impfentscheidungen zu treffen, einen Kinderausweis zu beantragen u.v.m.

Auch wenn sich eine solche Vollmacht in der Praxis häufig bewährt, so ist sie nicht rechtssicher. Denn es ist rechtlich nicht möglich, dass der Sorgeberechtigte / Vormund Angelegenheiten, die in seinen Verantwortungsbereich gehören (sogenannte „Grundentscheidungen“) per einfacher Unterschrift an einen Dritten überträgt. Hierzu bedarf es eines richterlichen Beschlusses.

Eine solche Vollmacht birgt also einerseits zwar die Chance zu größerer Handlungsfreiheit für die Pflegepersonen. Andererseits beinhaltet sie aber auch die Gefahr, dass gut informierte Institutionen oder Personen (z.B. Schulen, Ärzte, Therapeuten, Meldeämter…) die Vollmacht nicht anerkennen oder aber, dass sich Pflegeeltern im Falle von Problemen, die nach einer von ihnen getroffenen „Entscheidung außerhalb ihres Kompetenzbereiches“ auftreten, verantworten müssen.

Sofern sorgeberechtigte leibliche Eltern oder auch ein Vormund die Entscheidungsbefugnis der Pflegeeltern erweitern möchten, sollte daher besser erwogen werden, ihnen Teile der Vormundschaft im Rahmen einer Pflegschaft oder die Vormundschaft insgesamt zu übertragen. Dies kann gem. § 1631 Abs. 3 BGB beim Familiengericht beantragt werden.

Hier können Sie eine Muster-Vollmacht downloaden

Vormund

Erfolgt durch das Familiengericht ein Eingriff in die elterlichen Sorgerechte, muss der Richter angemessen handeln. Er muss abwägen, welche Teile der elterlichen Sorge im Interesse des Kindeswohles entzogen werden müssen und welche bei den Eltern verbleiben können („so wenig wie möglich – so viel wie nötig“, §§ 1666, 1666 a BGB). Für die Bereiche der elterlichen Sorge, die entzogen werden, wird ein Pfleger, bzw. Vormund bestellt, der das Kind vertritt.

Was ist ein Pfleger?

Werden Teile des Sorgerechtes entzogen, wird für diese Bereiche ein Pfleger eingesetzt. Welche Entscheidungsbefugnisse dieser bekommt, ergibt sich aus dem Unfang des Sorgerechtsentzuges. Entzogen werden können, z.B.
· das Recht, den Aufenthalt des Kindes zu bestimmen (Aufenthaltsbestimmungspfleger),
· das Recht, über medizinische Fragen zu entscheiden (Pfleger für den medizinischen Bereich),
· das Recht, in schulischen Angelegenheiten zu entscheiden (Pfleger für den schulischen Bereich),
· das Recht, das Vermögen des Kindes zu verwalten (Vermögenspfleger) oder
· das Recht, in Fragen der Personensorge zu entscheiden Personensorgerechtspfleger).

Wird ein Pfleger bestellt, gibt es im Pflegeverhältnis drei „Parteien“, die Entscheidungen treffen:
1. Der Pfleger in Grundsatzentscheidungen in allen ihm vom Gericht übertragenen Bereichen.
2. Die leiblichen Eltern in Grundsatzentscheidungen in den ihnen verbleibenden Sorgerechtsbereichen.
3. Die Pflegeeltern in Alltagsentscheidungen.

Was ist ein Vormund?

Wird die gesamte elterliche Sorge (Personensorge und Vermögenssorge) entzogen, wird ein Vormund bestellt. Er vertritt das Kind in allen Entscheidungen, die seine Person und sein Vermögen betreffen. Die Pflegeeltern entscheiden in Alltagsdingen.

Der Vormund ist in die gesamte Hilfeplanung einzubeziehen und hat an allen Hilfeplangesprächen teilzunehmen. Als Personensorgberechtigter ist der Vormund eines Pflegekindes derjenige, der die Hilfe zur Erziehung gem. § 33 SGB VIII erhält. An ihn richten sich daher auch alle Bescheide über Art und Umfang der zu leistenden Hilfe.

Es ist möglich, dass das Gericht einen Gegenvormund bestellt (§ 1792 BGB), z.B. wenn das Kind über erhebliches Vermögen verfügt und der Vormund, dass mehrere Vormünder die Vormundschaft gemeinsam führen (§§ 1775, 1797 BGB) oder dass der Vormund für bestimmte Bereiche einen Pfleger zur Seite gestellt bekommt, wenn in diesen Bereichen ein Interessenskonflikt möglich ist (§ 1796 BGB).
Der Vormund ist dem Vormundschaftsgericht gegenüber zur Rechenschaft über die Führung der Vormundschaft verpflichtet und muss diesem mindestens einmal jährlich berichten (§ 1840 BGB). Für Schäden, die dem Kind aus einer Pflichtverletzung des Vormundes entstehen, haftet der Vormund (§ 1833 BGB).
Für einige, das Kind betreffende Rechtsgeschäfte (z.B. Ausschlagung einer Erbschaft, Abschluss eines Lehrvertrages, Antrag auf Namensänderung), benötigt der Vormund die Genehmigung des Vormundschaftsgerichts (§ 1822 BGB).

Unberührt von einem Sorgerechtsentzug bleiben das Umgangsrecht der leiblichen Eltern, das Recht auf religiöse Erziehung und das Recht zur Freigabe zur Adoption.
Der Umgang leiblicher Eltern mit dem Kind kann nur ausgeschlossen werden, wenn er eine Kindeswohlgefährdung bedeutet.
In Fragen der religiösen Erziehung sind die Eltern bis zur Religionsmündigkeit (14. Lebensjahr) des Kindes immer zu beteiligen (§ 1801 Abs. 2 BGB).

Wer kann Vormund werden?

Das BGB sieht als Vormund eine natürliche Person (Einzelvormund) vor. Dies kann ein Berufsvormund oder ein ehrenamtlicher Einzelvormund sein. Steht keine geeignete Einzelperson zur Verfügung, kann das Gericht einen Vereinsvormund (§ 1791 a BGB) oder einen Amtsvormund (§ 1791 b BGB) benennen.

Amtsvormund:
· Der Vormund haftet nicht persönlich, es haftet das Amt.
· Keine Vergütung durch das Vormundschaftsgericht.

Vereinsvormund:
· Der Vormund haftet nicht persönlich, es haftet der Verein.
· Keine Vergütung durch das Vormundschaftsgericht.

Berufsvormund:
· Der Vormund haftet persönlich.
· Er erhält eine Vergütung.

Ehrenamtlicher Vormund:
· Der Vormund haftet persönlich.
· Er erhält eine jährliche Aufwandsentschädigung.

Wurde durch das Gericht ein Amtsvormund bestellt, hat das Jugendamt jährlich zu prüfen, ob die Amtsvormundschaft in eine (vorrangig vorgesehene) Einzelvormundschaft umgewandelt werden kann und hat dem Gericht ggf. geeignete natürliche Personen vorzuschlagen. Eine solche geeignete Person können auch die Pflegeeltern sein.

Alle Ausführungen bezüglich der Führung einer Vormundschaft gelten auch für die Führung einer Pflegschaft (§ 1915 BGB).

Vormundschaft

Die Vormundschaft bedeutet die Bestellung eines Vormundes für ein Mündel, dem die eigene Geschäftsfähigkeit fehlt. Es wird also ein Betreuer als gesetzlicher Vertreter für ein minderjähriges Kind oder einen minderjährigen Jugendlichen festgelegt. Bei dem Mündel wird es sich, spätestens nach der entsprechenden Rechtsreform, der Betreuungsrechtsreform im Jahre 1992, stets um eine nicht volljährige Person handeln. Die Vormundschaft für Erwachsene gibt es in der Bundesrepublik seitdem nicht mehr, sie nennt sich nun rechtliche Betreuung nach dem § 1896 BGB.

Die Vormundschaft ist nicht dasselbe wie eine Pflegschaft nach den §§ 1909 bis 1921 BGB. Sie ist begrenzt auf einzelne Angelegenheiten wie beispielsweise das Aufenthaltsbestimmungsrecht oder auch die Gesundheitssorge. Die elterliche Sorge im Gegenteil beinhaltet sehr umfassend die Vermögenssorge als auch die Personensorge gemäß dem § 1631 BGB. Generell sind die Bestimmungen zur Vormundschaft in den § 1773 bis 1895 niederschrieben.

Sobald eine minderjährige Person nicht unter elterlicher Sorge steht, wird ein Vormund ernannt, bestellt werden. Ohne elterliche Sorge ist ein Kind, wenn beispielsweise beide Eltern verstorben sind, genauso kann ein Sorgerecht fehlen, wenn es den beiden Elternteilen gerichtlich entzogen worden ist. Einem Findelkind wird nach dem § 1773 BGB des Bürgerlichen Gesetzbuches ebenfalls immer ein gesetzlicher Vormund zugewiesen. Die Bestellung eines Vormundes wird automatisch ex officio, also von Amts wegen, in die Wege geleitet, es hat kein Antrag zu erfolgen. Wenn bereits bei der Geburt des Säuglings feststeht, dass das Kind nicht unter elterlicher Sorge stehen wird, kann die Vormundschaft gemäß dem § 1774 BGB schon bei der Geburt des Kindes zur Wirksamkeit kommen. Wenn eine Mutter, weil minderjährig, nicht verheiratet, für das von ihr geborene Kind kein gesetzlich geltendes Sorgerecht hat, wird das zuständige Jugendamt in die Rolle eines sogenannten ‚Amtspflegers‘ schlüpfen, es ist dazu keine gerichtliche Bestellung erforderlich. Dies findet sich nachdrücklich geregelt in dem § 1751 BGB.

Ist in der letzten Verfügung der Eltern kein Vormund bestimmt, wird das Gericht einer Anhörung des Jugendamtes folgen. Dabei sind nach Möglichkeit auch die Verwandten sowie Verschwägerte des zukünftigen Mündels einzubestellen. Es sind also jedenfalls nach dem § 1779 BGB die persönlichen und verwandtschaftlichen Beziehungen, die das Mündel pflegt, mit in die Entscheidung über den Vormund einzubeziehen. Sollte sich niemand geeignetes im Umfeld des Kindes finden, auch keine Pflegeeltern, ist es den Richtern des Familiengerichts möglich, einen Vereinsvormund zu bestellen. Der Verein muss durch das Landesjugendamt zugelassen sein, außerdem hat es seine Einwilligung nach dem § 1791a BGB zu geben. Auch das Jugendamt kann vom Familiengericht gemäß dem § 1791b BGB als Vormund ausgewählt werden. Ein Vormund des Jugendamtes darf im Übrigen gemäß dem § 55 SGB VIII des Achten Sozialgesetzbuches nicht mehr als 50 Mündel betreuen

Nach dem § 1785 BGB wird jeder deutsche Staatsbürger als Volljähriger grundsätzlich auch eine Vormundschaft annehmen müssen, sollte ihn das Familiengericht dazu bestimmen. Selbstverständlich gibt es auch zahlreiche Gründe, eine Vormundschaft abzulehnen. Das können beispielsweise sein, dass der gedachte Vormund als Beamter oder Religionsdiener nicht die Zustimmung seines Dienstherrn zu einer Vormundschaft erhält. Niedergeschrieben in dem § 1784 BGB. Dies wird jedoch gemäß dem § 97 Abs. 4 BBG des Bundesbeamtengesetzes nicht für ehrenamtliche Vormundschaften, die durch Bundesbeamte geführt werden, gelten. Ein weiterer Ablehnungsgrund wäre, dass der berufene Vormund das 60. Lebensjahr bereits vollendet hat.

Genauso könnte er geltend machen, dass er zu weit von dem Mündel entfernt wohne. Auch wenn die Ausübung der Vormundschaft es verhindern würde, es erschweren würde, sich um seine eigene Familie zu kümmern, wäre das ein Grund zu Ablehnung der Vormundschaft.  Ebenso wenn der Vormund durch eine Krankheit behindert ist, die eine Vormundschaft unmöglich gestaltet, oder er bereits mehr als eine weitere Vormundschaft oder Pflegschaft übernommen hat, ist dies Grund für eine Nichtsbestellung. Genauso, wenn er mehr als drei minderjährige Kinder in Sorge hat. All dies findet sich geregelt in § 1786 BGB.

Der Vormund wird, auch als gesetzlicher Vertreter des Mündels, immer unter Kontrolle des Familiengerichts stehen. Hierzu die §§ 1809 ff. 1821 bis 1824 BGB. Die Vormundschaft kann durch den Tod des Mündels enden, durch seine Volljährigkeit, wenn seine Mutter volljährig wird, wenn der Mündel adoptiert wird, oder auch, wenn die Gründe für die Vormundschaft nicht mehr existieren.

W
Wochenpflege

In der Wochenpflege werden Kinder zusammenhängend mehrere Tage in der Woche (meist die Werktage) in einer Pflegefamilie betreut und verbringen die übrige Zeit (das Wochenende) bei ihren Eltern.

Im Gegensatz zu den meisten anderen Pflegeformen sind die Gründe für die Notwendigkeit einer Wochenpflege nicht Erziehungsschwierigkeiten der Eltern, sondern organisatorische Gründe, wenn z.B. die Eltern im Schichtdienst arbeiten oder eine Ausbildung in einer anderen Stadt absolvieren und daher nicht zuverlässig regelmäßig zur Verfügung stehen.

Die Wochenpflege ist sowohl für die erwachsenen Bezugspersonen als auch besonders für das Kind psychisch sehr belastend, da keine feste Bezugsperson vorhanden ist, sondern das Kind „pendelt“. Sie bedarf daher klarer und verlässlicher Absprachen zwischen den Eltern und der Pflegeperson, um dem Kind dennoch bestmögliche Kontinuität zu ermöglichen.

Die Wochenpflege sollte aufgrund der erheblichen psychischen Belastungen für das Kind nur in Ausnahmefällen und nur vorübergehend gewählt werden.

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